Neues aus Usedom

Was für eine Wendung gestern bei der Euro 2012 in Polen und Ukraine! Nachdem Russland nach dem ersten, furiosen Gruppenspiel-Sieg gegen überforderte Tschechen schon wie ein heimlicher Turnierfavorit aussah, hat sich die Mannschaft nach der Niederlage gegen Außenseiter Griechenland schon nach der Gruppenphase aus dem Turnier gespielt! Ähnlich erging es Gastgeber Polen. Tschechien und Griechenland stehen somit etwas unerwartet im Viertelfinale.

Das sollte auch heute für Deutschland als Warnung gelten, denn trotz der 2 Siege, ist unter Umständen auch für die deutsche Mannschaft ein Ausscheiden zwar nicht wahrscheinlich; aber immerhin möglich. Selbst für die 0-Punkte Holländer ist das Viertelfinale theoretisch noch drin!

Aber soviel zur Theorie. Ganz praktisch bietet uns die Euro noch ganz andere Schlaglichter. Verantwortlich dafür ist das Fernsehen selber und die UEFA, die die weltweite Bildregie „diktiert“:

  • Was die UEFA nicht sehen will und dementsprechend auch nicht senden lässt, sind politisch motivierte Protestaktionen wie die, einiger deutscher Grünen Politiker, die auf die fragwürdige politische Situation in der Ukraine hinwiesen.
  • Gesendet wurde auch nicht ein s. g. „Flitzer“, der während eines Spiels auf den kroatischen Trainer zulief und ihn umarmte.
  • Darüber hinaus ist bekannt geworden, dass die UEFA keine leeren Ränge während der Übertragungen gesendet haben will und stattdessen nur volle Ränge mit jubelnden, ausgelassenen und feiernden Fans zeigen lässt.

Was aber gesendet wurde, war Jogi Löw, wie er während des Spiels der deutschen Mannschaft gegen Holland einem Balljungen von hinten anschleichend einen Ball aus dem Arm tippt und sich darüber schelmisch freut. Dann aber im Interview nach dem Spiel beteuert, diese Szene sei noch vor dem Spiel gewesen. Moment…VOR dem Spiel? Die Verwunderung war groß…auch beim ZDF, die an dem Abend das Spiel übertragen hatte. Kurze Rücksprache mit der UEFA, die dann zugeben muss, dass sie die Szene unangekündigt in das laufende Spiel hineingesendet hat.

ARD und ZDF protestierten daraufhin umgehend und das böse Wort von Zensur, unangemessener Einflussname auf die Berichterstattung und Staatsfernsehen machte die Runde! Hintergrund ist die Tatsache, dass die deutschen Sendeeanstalten keinen Einfluss auf die Übertragungen haben und nur das zeigen, was ihnen die UEFA als sog. „Weltbild“ zur Verfügung stellt. Eigene Technik wird nur nach Spielende eingesetzt!

Allerdings haben die deutschen Sender auch ihre eigenen hausgemachten Kuriositäten aufzubieten:

  • Während die ARD mit Mehmet Scholl-Äußerungen tagelang die Schlagzeilen beherrschte und eine merkwürdige Debatte über Mario Gomez und seine manchmal passive Spielweise auslöste. Wohlgemerkt eine Spielweise wie sie seit Jahren bekannt ist und ihn zum Top Stürmer der Bundesliga hat werden lassen! Aber immerhin schaffen sie es, live aus den Stadien zu berichten und zumindest kommt so ein bisschen Stadion-Atmosphäre vor und nach den Übertragungen auf. Und mit Mehmet Scholl haben sie einen Experten, der das Spiel glaubhaft und auch mal pointiert erklärt und sich nicht nur in großen, steifen Sprachgesten fest redet!
  • Das ZDF hingegen hat sich für eine andere Strategie entschieden und lässt das Moderations Tandem Katrin Müller-Hohenstein (KMH) und Oliver Kahn („TITAN“) gar nicht erst in die Stadien der EURO 2012 reisen, sondern sendet stationär von der Ferieninsel Usedom aus. Auf runden Pontons im Wasser stehen die beiden und spielen sich regelmäßig „eckige“ Bälle zu, die mal der Eine, mal die Andere nicht zu verwerten vermag. Begründet wurde diese Sendeform mit der kulturellen, politischen und regionalen Nähe zum Austragungsland Polen! Da braucht man viel Fantasie, wenn man die beiden dabei „erwischt“ wie sie verkrampft bemüht sind die liegestuhlbewaffneten, fernsehgarten-tauglichen Urlauber in diesen Sinne zu unterhalten.
  • Ein als Highlight geplantes Ereignis, geriet darüber hinaus zum absurden Rohrkrepierer. Oliver Kahn sollte feierlich in die Social Media Welt eingeführt werden und seinen offiziellen Twitter Account einweihen. Deswegen veranstaltete eine Online Redakteurin vorab einen Aufruf, bei dem die Twitter Gemeinde einen passenden Profilnamen auswählen durfte, der dann originellerweise am Ende „OLIVERKAHN“ hieß!
  • Viel Wirbel um nichts? Es geht noch besser, denn sein mit viel TamTam angekündigter 1 sog. Tweet war dann ein banales „wir werden europameister“. Eigenhändig gepostet von, na klar, der Online Redakteurin! Dann sollte Kahns 1. Follower auf Twitter kein Geringerer als Harald Schmidt himself sein. Dummerweise hat die Online Redakteurin nicht das Original Twitter Profil sondern lediglich ein Fan Profil von Harald Schmidt ausgesucht!

Für mich stellt stellt sich da die Frage:

Sendet das ZDF eigentlich bei der Euro2016 aus dem Saarland oder von Korsika? (wegen der regionalen Nähe zu Frankreich, versteht sich!)

e.


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Zitat des Tages

„Das waren jetzt fünf Antworten auf vier Fragen, die ich gar nicht gestellt habe.“

 

Katrin Müller-Hohenstein (genannt „KMH“), die den Redefluss vom „TITAN“ (genannt Oliver Kahn ) während der Euro 2012 Spielanalyse zu bändigen versuchte

Seehofer Confidential

Hier mal ein ungewöhnlicher Einblick in die Medienarbeit des ZDF.

Eigentlich ist es ja üblich, wenn Claus Kleber Politiker vor der eigentlichen Ausstrahlung des Heute-Jounals interviewt und der Beitrag wird dann verkürzt in Auszügen gesendet

Aber das was nach dem offizellen Sendebeitrag gesprochen wird, bleibt ja immer geheim!

Hier nicht…

und Seehofer erlaubt es…Respekt!

Man kann ja von Hoerst Seehofer denken was man will..manche nehmen ihn nicht ernst, oder sein bayerisch populistisches Säbelrasseln, oder seine latente Meinungsflexibilität…aber das hier ist ein Medienhighlight!

Daran könnte man sich gewöhnen

e.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1641980/Seehofer-Das-koennen-Sie-alles-senden%2521#/beitrag/video/1641980/Seehofer-Das-koennen-Sie-alles-senden!

„bedauerlicherweise“…oder wenn Freud Versprechen macht

Was heute im ZDF Morgenmagazin wie n kleiner Versprecher wirkte und wohl auch in Norbert Röttgens Redefluss untergegeangen wär, entpuppte sich aufgrund der Aufmerksamkeit des Moderators als handfeste Peinlichkeit.

Gut, das kann man natürlich auch alles wieder hoch-stilisieren, wie das in der chronisch aufgeregten und nach Skandalen und Sensationen suchenden Medienlandschaft nun mal leider so Usus geworden ist; allerdings muss man eben auch sagen, dass das Timing von Röttgen für so einen verbalen Lapsus, gerade in Anbetracht seiner bisherigen nicht wenigen Ungeschicklichkeiten in seiner Wahlkampf Strategie, für sich spricht.

Sei es die fehlende Klarheit, sich auf einen definitiven Verbleib in NRW auch nach der sehr wahrscheinlichen Wahl-Niederlage am Sonntag auszusprechen, verbunden mit der Aufgabe seines Ministeramts und seines Bundestagsmandats.

Oder sei es das fehlende Feingefühl, hinsichtlich Äußerungen für den Fall einer drohenden Wahlniederlage, die Verantwortung vorsorglich in Teilbereichen Richtung Berliner Regierung zu schieben!

Nein, Norbert Röttgen sollte sich einfach nicht wundern, wenn die Wähler in ihm keinen Ministerpräsidenten sehen, der NRW würdig und vor allem glaubwürdig vertritt!

Und das ist das eigentlich bedauerliche…

e.

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Meinungsstark – Meinungsschwach? (von Maybrit Illner / ZDF)

Als ganz normaler Zeitgenosse oder Bürger muss man das jedenfalls nicht. Ruft ein

Umfrageinstitut an oder hält einem ein Journalist ein Mikrofon hin, dann ist es völlig o. k.,

wenn man statt mit „Ja“ oder „Nein“ wahlweise antwortet: „Weiß ich nicht“, „Ist mir egal“ oder

„Da habe ich keine Meinung zu“. Von einem Politiker egal welcher Couleur und auf welcher Ebene

will das so keiner hören. Also wurden Formulierungen erfunden, die Nichtwissen oder

Desinteresse verschwurbelt verpacken: „Das müssen wir nüchtern und ohne Zeitdruck prüfen“ oder

„Das werden wir zeitnah einer sachgerechten Lösung zuführen“.

Damit muss sich niemand zufrieden geben, und es wäre vom Befragten ehrlicher, dann einfach mal

zu sagen: „Das weiß ich nicht“.

Die Piraten sind schon mal so ehrlich. Und dafür werden sie zu Recht gelobt. Dass Journalisten

sie deshalb nach manchen Themen nicht fragen sollen, weil sie doch wüssten, dass Piraten dazu

„noch“ keine Meinung hätten, diesen Umkehrschluss halte ich allerdings für falsch.

Ob der Pirat Christopher Lauer in einer unserer Sendungen vor Ostern eine Meinung zur

Schlecker-Auffanggesellschaft hätte haben müssen, oder ob es reichte, dass er sich hinterher

für einen Artikel in der FAZ eine gebildet hat, das muss er selber wissen und das müssen die

Zuschauer und vor allem seine Wähler entscheiden. Ich finde es nicht dramatisch, wenn auch

Profis ab und zu eine „Wildcard“ ziehen.

Eines allerdings dürfen Zuschauer und Wähler erwarten: Zu Fragen, über die Politiker im

Parlament entscheiden müssen, sollten diese sich rechtzeitig eine möglichst fundierte Meinung

bilden.

Selbst auf Fragen, bei denen sie das noch nicht getan haben, können sie Sinnvolles und in

ihrem Sinne “Richtiges“ s a g e n, wenn sie eine Haltung haben. Ich meine damit nicht eine

Ideologie, oder ein geschlossenes Weltbild, in dem Themen irgendwie „zwangsgekoppelt“ sind,

aber eine auf Werten ruhende Grundhaltung, die jedenfalls mehr ist als die Summe von

unzusammenhängenden Antworten auf unzusammenhängende Fragen.

(ZDF) Maybrit Illner

Liebe Frau Illner,

ich meine zu ahnen, worauf Sie hinaus wollen, aber an dieser Stelle hätte ich mir durchaus

eine „pointiertere“ Haltung gewünscht.

Ich bin nicht per se gegen die Piraten, dennoch meine ich, dass ich mich mit zur Schau

gestellter (und möglicherweise bewusster) Ahnungslosigkeit / Meinungslosigkeit nicht zufrieden

geben möchte!

Denn zu anderen Themen haben die Piraten sehr wohl ein geschlossenes Weltbild und die Fragen

der Zeit die die Menschen bewegen, sind auch Themen die die Piraten bewegen (sollten).

Einerseits profitieren die Piraten von den demokratischen und parlamentarischen

Errungenschaften, aber sich dann der Verpflichtung deren Grundordnung zu akzeptieren finde ich

schon fragwürdig.

Und sich aus PR-Gründen öffentlichkeitswirksam in Talk Shows zu setzen und am öffentlichen

Diskurs teilzunehmen, braucht ja auch niemand.

Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht aufgrund von „Stimmenthaltung“, weil man keine rhetorischen

Fehler machen will!

Und genau dort, „darf“ der kritische Journalist dann auch ansetzen!

eddi | 14. April 2012 | 13:53 | Antworten

Mattscheibe des Tages

Heute beginne ich in unregelmäßigen Abständen Mattscheiben Klassiker von Oliver Kalkofe hier zu posten. Als Beitrag dafür dass endlich wieder neue Folgen produziert werden und im TV laufen…und ganz nebenbei: So viel TV Trash verdient es ja auch immer wieder gezeigt zu werden!

Auftakt macht das 17-minütige Mattscheiben Special zum jetzt schon „legendären“ Wulff-Interview.  Eine Ode an die MENSCHlichkeit gegenüber Aushilfs-Bundespräsidenten-Darsteller.

Grandios!

e.

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Wulff zum Letzten – eine Bildbetrachtung (von wolfgang Herles/ZDF)

Dieses Gesicht! Da ist er noch einmal: der Mann ohne Eigenschaften. Langweilig, hölzern, bieder, aber auch undurchsichtig. Das Haar so brav gescheitelt wie eh und je. Die Staatsmannmaske. Der Schwiegersohn. Der Angestellte. Der glatte Emporkömmling. Einer, der sich hinter sich selbst versteckt. Und doch ist es anders, dieses Gesicht im Fackelschein des Großen Zapfenstreichs.

Der ist eine Ehre. Doch zum ersten Mal wird diese Ehre weithin als Schande empfunden. Da steht einer am Pranger. Stellte sich selbst an den Pranger. Blasmusik. Jeder Ton klingt nach Hohn.

Haben die vergangenen Wochen Spuren auf diesem Gesicht hinterlassen? Gerade weil es aussieht, als seien die Züge wie erstarrt, lässt sich die ungeheuere Mühe erkennen, ungebrochen, ungebeugt  wirken zu wollen. Da pocht einer drauf, so behandelt zu werden, wie es ihm zusteht. Mit Respekt. Mit Würde. Da demonstriert einer sehr selbstgerecht seinen Anspruch auf Gerechtigkeit.

Kämpft Wulff mit den Tränen? Nahm er ein Beruhigungsmittel? Versteinert ihn die tiefe Überzeugung, ungerecht behandelt zu werden? Dieses Gesicht schämt sich nicht. Gealtert sieht es aus, doch nicht gereift. Die Falten von den Nasenflügel zu den Mundwinkeln scheinen tiefer geworden zu sein. Die Augen schmaler. Verschlossen. Trotzig. Wo wohl seine Gedanken sind? Irgendwo in der blendend versorgten Zukunft vielleicht.

So ein Gesicht ist nicht auf Mitleid aus. Mitleid hat Wulff auch nicht verdient. Wer aber wissen will, was dieses öffentliche Geschäft mit einem Menschen anstellen kann, der letztlich an seiner Dummheit scheitert, nicht an seinen Untaten, der schaue es sich noch einmal ganz genau an.

(ZDF) Dr. Wolfgang Herles

Sehr gelungener Artikel!

Vor allem:

[…]der letztlich an seiner Dummheit scheitert, nicht an seinen Untaten[…]

Damit ist alles gesagt, hoffe ich!

eddi | 10. März 2012 | 16:32 | Antworten

via http://blog.zdf.de/zdfdasblog/2012/03/09/wulff-zum-letzten-eine-bildbetrachtung/#comment-40280

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Wider das Bauchgefühl! (von Winnie Heescher/ZDF)

Fühlen Sie sich in dem Eindruck bestätigt, Politik sei ein schmutziges Geschäft? Politiker generell faul und feige, korrupt und verschwenderisch? Ein Blick zurück in die vergangene Woche …

Am Montag daddelt Wolfgang Schäuble im Bundestag Sudoku. Während darüber debattiert wird, wie viele Milliarden unserer Steuergelder den Griechen noch versprochen werden! Ausgerechnet der Finanzminister! Am Mittwoch entscheiden Wulffs alte Buddies im Bundespräsidialamt, dass ihm Ruhegeld zusteht. Jedes Jahr 199.000 Euro lebenslang für einen Schnäppchenjäger. Und am Freitag stimmen die Abgeordneten des Haushaltsausschusses dem zu. Ehrensold gebilligt von Koalition und Opposition!

Da stimmt doch etwas nicht im Staate Deutschland!

Stimmt! Unser Verhältnis zur Politik, zum Rechtsstaat, unser Verhältnis zur Demokratie stimmt nicht mehr. Sie denken, Kleiner geht’s wohl nicht? Nein, Kleiner geht es nicht. „Zocker, Schande, schämt Euch, verkommene Politiker, Schäuble rollen sie sofort zurück, korrupte Blutsauger“ – das sind noch nicht einmal die boshaftesten Kommentare aus Leserbriefen, Blogs und Umfragen, die auf Wolfgang Schäubles Sudoku-Spiel und die Ehrensold-Entscheidung reagieren. Zwei völlig unterschiedliche Ereignisse und doch antworten viele mit nichts anderem als ihrem grimmigen Bauchgefühl – ein Bauchgefühl gegen die da in Berlin, die da oben. Ist doch ein Politiker wie der andere!

Was spricht dagegen, dass Wolfgang Schäuble im Bundestag Sudoku spielt? Der Respekt, die Höflichkeit dem Kollegen gegenüber, der gerade eine Rede hält? Rainer Brüderle wird es ihm verzeihen. Wolfgang Schäuble ist neben Angela Merkel derjenige im Kabinett, der die vergangenen Wochen am wenigsten geschlafen haben dürfte. Unzählige Nachtsitzungen für Rettungsschirme, unzählige Flüge nach Brüssel – man sieht es beiden an, man hört es auch heraus, wenn sie sich bei Auftritten verhaspeln, weil die Konzentrationsfähigkeit die Worte durcheinanderwirbelt. Angela Merkel macht dann häufig im Plenum einen Ablenkungsspaziergang, spricht mit dem ein oder anderen Kollegen, um nicht öffentlich auf der Regierungsbank gegen die Müdigkeit anzukämpfen. Wolfgang Schäuble spielt Sudoku. Na und? Wie oft gehen Sie bei der Arbeit hinaus, um eine Zigarette vor der Tür zu rauchen? Wie oft surfen Sie zwischendurch privat in ihrem Büro? Wie oft holen Sie sich noch einen Kaffee?

Bei Christian Wulff ist die Sache schwieriger, da meldet sich auch mein Bauchgefühl und fragt, warum er einen Ehrensold bekommen soll, warum er auch noch mit einem Zapfenstreich verabschiedet wird. Auch wenn für Christian Wulff nicht mehr viel sprechen mag, ein Argument spricht für ihn. Und das dürfen wir nicht ignorieren, nur weil unsere eigene Moral dagegen Sturm läuft: Das ist das Gesetz. Das Gesetz über die Versorgung eines Bundespräsidenten a.D. muss dringend geändert werden, aber in unserem Staat gilt glücklicherweise das Rückwirkungsverbot. Man kann Gesetze nicht einfach nach Laune rückwirkend ändern, dadurch ist jeder geschützt, der etwas tut, was er besser gelassen hätte. Und so schwer das zu akzeptieren ist: Auch der Ehrensold kann Christian Wulff nicht mehr rückwirkend genommen werden. Deshalb hat dies auch der Haushaltsausschuss billigend zur Kenntnis nehmen müssen. Dass sich die Politik jetzt sofort, dringend und endlich an eine Reform der eigenen Altersversorgung machen müsste, ist eine andere Frage.

Glauben Sie immer noch, Politik sei ein schmutziges Geschäft? Für mich ist Politik nicht schmutziger als das Leben selbst. Der Ehrensold für Christian Wulff ist auch ein Preis, den wir für den Beweis unseres Rechtsstaates zahlen. Ein Sudoku spielender Finanzminister ist ein Beweis, dass Politiker Menschen sind wie Du und ich. Auch dieses Recht sollten wir ihnen lassen! Wer wollte diesen Job sonst überhaupt noch machen?

(ZDF) Winnie Heescher

@Frau Heescher,
ich geb Ihnen völlig recht, dass die Aufregung um ein Sudoku unsinnig ist, zumal viele Abgeordneten eine Aufmerksamkeitsspanne haben, die bei best. Themen und Beiträgen gern mal rapide absinkt…man denkt ja auch oft, dass da gesimst, getwittert oder per IPad “der Amazon Wunschzettel vergrößert wird”. Völlig ok!

Was mir übel aufstößt ist die Tatsache, dass es auch in der Politik einen absurden Schutzreflex gibt, wenn “einer der ihren” attackiert wird. Egal ob der Menschenverstand die Rechtmäßigkeit der Attacke erkennt, es wird zusammengehalten bis zum “Geht-nicht-mehr”.

Für mich ist das völlig ok, wenn ein Herr Guttenberg irgendwann wieder in die Politik kommt, und von mir aus soll ein Herr Wulff seinen Sold bekommen, wenn das geltende Recht das so vorsieht.

Aber dass Frau Merkel/Koalition beide genannten offensiv gestützt/verteidigt haben ist eine Un-Art in der Politik, die ich fragwürwürdig finde, wo ich manchmal denke Politiker sind eben nicht “wie du und ich”!

eddi | 4. März 2012 | 20:25 | Antworten

viahttp://blog.zdf.de/zdfdasblog/2012/03/03/wider-das-bauchgefuehl/

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Die Ohnmacht der Angela M. (von Thomas Walde/ZDF)

Präsidentenkür und verfehlte Kanzlermehrheit markieren eine Wende für die schwarz-gelbe Koalition. Die Ereignisse der vergangenen Tage haben einen alten Schnack bestätigt: Eine Woche ist in der Politik eine lange Zeit. Angela Merkel, eben noch auf der Höhe der Macht und der Umfragewerte, meinte den Griechen strengere Sparauflagen verordnen und den Franzosen erzählen zu können, wen sie bitteschön zum Präsidenten zu wählen haben.

Die SPD-Führung verkündete, direkt Angriffe gegen Merkel erst einmal einzustellen. Dann musste der von Merkel einst durchgesetzte Bundespräsident Christian Wulff zurücktreten. Dann nutzte der kleine Koalitionspartner FDP den Nachfolgekandidat Joachim Gauck, um Merkel vorzuführen und sich gegen sie zu profilieren. Seit Tagen feiert der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler seinen kleinen Coup, was der Unionsführung schwer auf die Nerven geht.

Kurz vor der Abstimmung zum Griechenland-Rettungspaket war es dann der andere Koalitionspartner, der Merkel düpierte. Innenminister Friedrich von der CSU machte deutlich, dass trotz aller Hilfspakete die Zukunft der Griechen besser außerhalb der Eurozone liege. Und mehrere Christsoziale pflichteten ihm bei – auch das ein direkter Widerspruch zu allem, was Merkel bisher offiziell vertreten hat. Schon da wurde deutlich, dass die Zentrifugalkräfte in der Koalition immer größer werden. Und dann die (vorläufige) Krönung: Merkels Kanzlerinmehrheit steht nicht bei der so wichtigen Abstimmung über die Griechenlandhilfe. Die eigenen Reihen versagen die überzeugende Gefolgschaft  in dieser zentralen politischen Frage der Kanzlerschaft Merkels.

In der Politik gilt: nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg. So lange man Zweiflern in den eigenen Reihen deutlich machen kann, dass man sich bei Wahlen, Abstimmungen und in Umfragen durchsetzt, so lange wird partei- oder koalitionsinterner Widerstand nicht offen ausgetragen. Jetzt setzt für Bundeskanzlerin Merkel die Kehrseite ein: Wenn Koalitionspartner erst einmal merken, dass man sich ungestraft gegen die Chefin profilieren kann, dann führt das zu Abstimmungsschlappen, und die führen zu lauter werdender Kritik. Misserfolge bringen neue Schwäche. Und die provoziert neue Misserfolge.

Im vergangenen Jahr hat die schwarz-gelbe Koalition auf Landesebene zahlreiche Wahlniederlagen erlebt. Die Führungsstärke von Angela Merkel hat Widerstände in den eigenen Reihen auf Bundesebene erstickt. Jetzt reicht die Führungskraft nicht mehr aus, um Zweifel an den immer neuen Hilfen für Griechenland zu ersticken.

Der Soziologe Max Weber hat Macht einmal als die Möglichkeit definiert, eigene Interessen gegen Widerstände durchzusetzen. In den vergangenen Wochen hat Bundeskanzlerin Merkel mehrfach die Grenzen ihrer Macht erkennen müssen. Den Widerstand in den eigenen Reihen hinnehmen müssen. Innerkoalitionäre Kritiker werden sich ermuntert fühlen. Eine Woche kann in der Politik eine lange Zeit sein.

(ZDF) Thomas Walde

Wenn man bedenkt, wie wenig Parlamentarier im Detail über das Ganze (700 Seiten!!!) informiert sind finde ich es vertretbar, dass man bei Unbehagen sich der Stimme enthält, oder eben sagt, dem kann ich nach meinem Erkenntnisstand NICHT zustimmen!

Überraschend ist halt nur, dass das so auch umgesetzt wird…letztlich hat sich Frau Merkel ja sicher auch mit Altmeier, Kauder und Gröhe n Abwehrbollwerk aus nibelungentreuen Parteisoldaten installiert, was jede Kritik oft schon im Kern erdrückt hat…so funktioniert das sicher…und so sichert man (Haus-) Macht!

Was mich vielmehr stört, ist dass die Opposition so zahm ist. Hier böten sich doch jederzeit Möglichkeiten Frau Merkel wirklich Probleme zu bereiten.

Muss man als Koalition nicht dagegen sein, wenn man andererseits die Kanzlerin so hart attackiert?

So gerät das Grollen letzlich nur dazu, dass man als Wähler keine Meinungsalternative hat und im Zweilel, dann eben das Original wählt und nicht die opppositionelle Kopie!
Eddi | 28. Februar 2012 | 11:47 | Antworten

Nachtrag:

es muss natürlich heißen:

Muss man als OPPOSITION!!! nicht dagegen sein, wenn man andererseits die Kanzlerin so hart attackiert?
Eddi | 28. Februar 2012 | 11:54 | Antworten

vishttp://blog.zdf.de/zdfdasblog/2012/02/28/die-ohnmacht-der-angela-m/

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Ehrensold – eine kleingeistige Debatte (von Michael Bewerunge / ZDF)

Zugegeben: 200.000 Euro sind viel Geld. Trotzdem: Typisch deutsch, diese kleinliche Debatte um den Ehrensold. Der falsche Zungenschlag ist mit diesem merkwürdigen Namen in die Debatte gekommen: Ehrensold.

Natürlich hat Christian Wulff, Bundespräsident außer Dienst, dem Amt keine Ehre gemacht und sich selbst schon gar nicht. Der Autor dieser Zeilen hat darüber selbst oft genug kritisch berichtet. Dennoch ist der Begriff Ehrensold eigentlich in dieser Überhöhung falsch: Es geht schlicht um ein Altersruhegeld und zwar gerade für den Fall, dass der Träger des ersten Amtes im Staate aus politischen Gründen zurücktreten muss – oder soll.

Dass Wulff nach einer langen Liste zumindest sehr dubioser Verhaltensweisen zurückgetreten ist – gerade das stellt doch einen Akt politischer Hygiene dar, der für eine Demokratie unverzichtbar ist. Man stelle sich vor, Wulff hätte sich aus Angst vor dem Absturz in die Mittellosigkeit weiter an sein Amt geklammert: Kaum auszuhalten.

Ob er nun aus politischen Gründen oder durch den Druck der Staatsanwaltschaft zurückgetreten ist, bleibt dabei unerheblich. Rechtlich sind die Vorwürfe noch nicht bewiesen, aber selbst wenn: Man muss Wulff fast dankbar sein, dass er es dem Staat und uns erspart hat, auf einen Prozess im Amt zu warten.

Ebenso unangenehm die Vorstellung, der Bundespräsident außer Dienst müsse sich mit allen möglichen Jobs seine Brötchen verdienen. Vielleicht als Rechtsanwalt oder Berater eines großen Finanzdienstleisters, dem er ohnehin schon früher eng verbunden war? Nein danke! Dann würden Amt und Staat ja noch stärker beschädigt.

Nun hat Wulff selbst noch zu Amtszeiten eine Debatte über die Höhe des Ehrensolds (200.000 € + Sekretärin + Fahrer + Bodyguards) angestoßen. Darüber muss geredet werden – aber nicht jetzt. Dieser grundsätzlichen Frage kann man nicht im Zorn des Augenblicks gerecht werden.

Und noch etwas: Wenn Wulff in drei Jahren vielleicht nur wegen schlechter Amtsführung nicht wiedergewählt worden wäre, dann betrüge die Auszahlung seines Ruhegeldes immer noch die gleiche Summe auf Lebenszeit – nur für drei Jahre muss nun doppelt gezahlt werden, zusätzlich an seinen Nachfolger Joachim Gauck.

Ich bin dankbar, dass dieser Wechsel zu vergleichsweise niedrigen finanziellen Kosten möglich war – die politischen sind viel höher.

(ZDF) Michael Bewerunge

Lieber Herr Bewerunge:

Mich stört es etwas dass das Bundespräsidialamt für die Prüfung zuständig ist. Dort wo ja Wulff seinen Stab teilweise slber zusammengestellt hat, frage ich mich ob Befangenheit bei der Beurteilung ausgeschlossen werden kann.

“Anspruch auf eine Altersversorgung hat, wer vier Jahre Amtszeit als Bundesminister durchgehalten hat.”

Wenn ihm das Ruhegeld nach 1,5 Amtsjahren (!!!!) zusteht, soll er es bekommen. Gesetze können nicht rückwirkend angewandt werden!

Aber:
Wenn man sich die Relation zu den Pensionsansprüchen von Bundesministern ansieht, die tatsächlich die gesamte Legislaturperiode an der politischen “Front” sein müssen und denen man weniger Respekt entgegenbringt, finde ich die die gesamte Diskussion alles andere als “kleingeistig”

…sondern sehr Notwendig!
Eddi | 29. Februar 2012 | 18:17 |

viahttp://blog.zdf.de/zdfdasblog/2012/02/29/ehrensold-eine-kleingeistige-debatte/

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Ende gut, alles gut? Von wegen! (von Winni Heescher/ZDF)

Respekt! Der FDP ist ein echter Coup gelungen. Ob es Philipp Rösler war oder Rainer Brüderle, der Angela Merkel am Sonntagnachmittag in eine politische Lose-Lose-Situation gebracht hat, wird die Geschichtsschreibung zu klären haben. Fakt ist: Das schwächste Koalitionsmitglied, das in Umfragen um das politische Überleben kämpft, hat der Union gezeigt, wie man politische Schachzüge macht und die Medien als Verstärker instrumentalisiert. Angela Merkel, die erfahrene Strategin, ist schlichtweg ausgetrickst worden. Eine echte Meisterleistung!

Nachdem von der FDP lanciert worden war, dass ihre Führungsspitze geschlossen hinter Gaucks Kandidatur steht, hatte die Union keine andere Chance mehr, als dem zuzustimmen. Alles andere wäre den Bürgern kaum mehr erklärbar gewesen. Aber: Es war ein riskantes Spiel der FDP, am Ende soll die Frage gestanden haben: “Koalitionsbruch oder Gauck?” Angela Merkel nahm Joachim Gauck. Ende gut, alles gut?

Von wegen! Ob Angela Merkel der FDP dieses Taktieren persönlich übel nimmt, wird sich noch zeigen. Dass es andere aus der Union stellvertretend für die die Kanzlerin tun werden, darauf kann man hohe Wetten abschließen. Wir erinnern uns: Es gab Phasen, da hat diese Koalition sich öffentlich wechselseitig als “Gurkentruppe”,  “Wildschwein” und “Schreihals” tituliert. In den letzten Monaten kam das nicht mehr vor. Die Debatte um Christian Wulff hat manchen Konflikt kaschiert. Doch gerade aus der Union kamen viele Stimmen, die sich um das Arbeitsverhältnis zur FDP sorgten, es krache im Unterbau auf Arbeitsgruppenebene, wo einfache Abgeordnete geräuschlos viel Arbeit wegschaffen müssen.

Es krachte aber auch in der ersten Reihe: Dirk Niebel wurde aus der Union für seine Personalpolitik kritisiert (“Vetternwirtschaft”), Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wegen ihrer ACTA-Pirouette, Philipp Rösler und Norbert Röttgen stritten beinahe täglich vor den Kameras über Solarförderung oder andere Bausteine der Energiewende. Und das ist noch nicht alles, es gibt weitere Streitthemen wie zum Beispiel die Finanzmarkttransaktionssteuer oder die Vorratsdatenspeicherung.

Atmosphärisch hat diese Koalition mit diesem Wochenende nichts hinzugewonnen. Die FDP hat das ganz bewusst gemacht. Innerparteilich wird es sie ganz bestimmt stärken. Ob ihr dieses Verhalten aber in Umfragen nutzen wird, auch das wird sich erst noch zeigen müssen.

Angela Merkels Mannen werden jetzt alles versuchen, den Schaden für die Kanzlerin zu begrenzen. Sie haben schon damit begonnen: Die Kanzlerin sei immer für einen gemeinsamen Kandidaten gewesen und freue sich über Joachim Gauck. Die Hauptstadtjournalisten werden diesen Tag noch lange genüsslich sezieren, es ist ein vortrefflicher Stoff, den die FDP geliefert hat. Ob’s das Publikum im Land aber noch ernsthaft interessiert? Joachim Gauck wird Bundespräsident. So wollten es die meisten. In dieser Hinsicht ein gutes Ende.

(ZDF) Winnie Heescher

Ich bin mir garnicht sicher ob der Vorschlag Gaucks von der FDP wirklich als Instrument dient sich in der Machstatik der Koalition wieder nach oben zu spülen. Die CDU wird spätestens jetzt wissen, dass die FDP als unberechenbar einzuschätzen ist.
So könnte das Vorpreschen möglicherweise koalitionsintern zum Pyrrhus-Sieg für Rösler und die FDP werden.

Mag sein dass es der FDP nach innen hinein die liberale Seele streichelt, aber ob sich das auch tatsächlich Messbares in Schleswig Holsten auswirken wird ist ja dann doch fraglich.

Gauck wird gerade den Mensch durch seine Emotions-Rhetorik vieles den Menschen näher bringen, was den Politikern in ihrer Sprechblasen und Worthülsen-Sprache verwehrt bleibt.

Man sollte vorsichtig sein Gauck zu überhöhen und von ihm Dinge zu erwarten die er nicht leisten kann.

Besonders die Politiker sollten vorsichtig sein indem sie die Verantwortung auf ihm abzuwälzen die Politik(er)-Verdrossenheit zu mindern. Das ist deren originäre Aufgabe!
Eddi | 20. Februar 2012 | 17:23 | Antworten

@Eddi

Mal ne blöde Frage: ” War die FDP schon jemals ein zuverlässiger Partner oder hat sie nicht immer dorthin geschielt, wo etwas zu holen war? Die stiegen doch mit jedem ins Bett der Macht.
helmut | 20. Februar 2012 | 18:31 | Antworten

@helmut

Sicherlich war die FDP immer schon eine Mehrheits-Beschaffungs-Partei, die ihren Wert darüber AUCH definiert hat dass man sie braucht…völlig klar!

ABER:

Und ich glaube dasa kann man sehr getrost al s dramatisch bezeichnen, glaube ich NICHT, dass sich die FDP in einer möglichen Außerparlamentarischen Opposition schnell erholen wird (wenn sie 2013 aus dem bundestag fliegt).

Dafür haben andere Parteien mittlerweile programmatisch die FDP abgegrätscht…selbst in der Wirtschaft sehen viele die FDP nicht als ihre 1. Wahl.

Und deswegen meien ich ist das Manöver der FDP durchschaubar und selbstschädigend!
Eddi | 21. Februar 2012 | 10:24 | Antworten

viahttp://blog.zdf.de/zdfdasblog/2012/02/20/ende-gut-alles-gut-von-wegen/