Tiki Taka (Vol. 3)

Hat Spanien gestern echt mit 4:0 gegen Italien im Finale der Fußball Europameisterschaft 2012 gewonnen ? Ich hatte auf ein knappes 2:1 getippt, aber dass es so (über-)deutlich ausgeht, hätte ich nicht gedacht.

Spanien hat nicht nur glücklich gewonnen, sondern unglücklicherweise für Italien, völlig überzeugend und auch in der Höhe verdient!

Und es ist auch bezeichnennd, wie die öffentlichen Abgesänge im Vorfeld waren: „Hört auf mit Tiki-Taka Kurzpass-Spiel“ „langweilig“ und Spaniens Dominanz wäre zu Ende, kaum überzeugende Spiele etc.

Richtig, die Spiele von Spanien waren sicherlich nicht so von Dominanz geprägt wie vorher, aber ihr Trainer Vicente del Bosque musste auch 3 wichtige Elemente in ihrem Spiel kompensieren: Carles Puyol, der unerschrockene Kopf der Abwehr fehlte, Sergio Ramos musste dafür von seiner angestammten Position als Weltklasse rechter Außenverteidiger in die Innenverteidigung UND ihr wichtigster Spieler im Sturm, David Villa, der eine entscheidende Funktion im Offensivverbund einnahm, fehlte auch!

Diese Bausteine haben sicher dazu beigetragen, dass das Spiel der Spanier an Attraktivität und Durchschlagskraft vermissen ließ!

Was hingegen entscheidend ist, sie haben sich trotz nicht immer überzeugender Leistung und teilweise mit ner Prise Glück, durchgebissen und im Finale ihr bestes Spiel gemacht und ganz Europa begeistert.

Niemand hat nach dem Spiel gesagt, dass Spanien nicht verdient gewonnen hätte.

Es gab ja sogar auch nicht wenige Menschen, die den Italienern, nach ihrem überraschend starken und selbstbewussten Auftreten gegen die deutsche Mannschaft im Halbfinale, nicht sogar auch den EM Titel zugetraut hätten. Alle sprachen nur noch von Mario Balotelli, dem Wunderknaben, „Tor-minator“ etc. Aber auch er hat im Finale so gut wie gar nicht statt gefunden.

Und was nach dem 1:1 im Gruppenspiel noch so aussah als könne Italien den Spaniern Paroli bieten, sah dann im Finale völlig anders aus. Ok, den Spaniern ist sicherlich der Umstand zugute gekommen, dass sie ihre erste große Torchance genutzt haben, ähnlich wie Italien das gegen Deutschland gelungen ist. Das hat sicherlich die Weichen gestellt, weil Italien dann unter Druck geraten ist und ihr Konter-Spiel aufgeben mussten.

Italien hat eine, trotz denkbar schlechtem Start (Wettskandal, Staatsanwaltschaft im Mannschaftsquartier, Festnahme eines EM-Spielers), großartige Euro 2012 gespielt und aus einem Außenseiter einen Titelaspiranten entstehen lassen!

Aber:

Die Spanier hatten einen Plan, waren vorbereitet, wollten den Sieg, wussten was sie tun müssen um gegen Italien zu gewinnen,  wollten den Titel und als erste Mannschaft überhaupt mit 3 großen Titeln in Folge (EM 2008, WM 2010, Em 2012) zu holen Geschichte schreiben…kurzum:

Die Spanier haben einfach zugepackt!

e.

Gut gebrüllt, Löw!

Artikel-Bild© Christopher Lee/Getty Images

Nun könnte ich so „altklug“ sagen: „Ich hab es doch gleich gewusst“, aber es ist tatsächlich so, dass ich gestern tagsüber noch twitterte „Ich hab da so´n Gefühl…“ und meinte damit, dass Italien möglicherweise ein echter Stolperstein werden könnte! So ist es dann auch gekommen. Schade eigentlich!

Aber andererseits kam dieses Gefühl dann auch nicht ganz aus dem Nichts. Noch einen Tag vorher, auf der obligatorischen Presse-Konferenz sagten Jogi Löw und Bastian Schweinsteiger unisono: „Wir sind soweit den nächsten Schritt zu gehen und wir sind in der Lage jeden Gegner auf der Welt zu schlagen!“

Bei aller Euphorie, über die deutsche Nationalmannschaft, die zurecht seit 2006 und dem Beckenbauer iniziierten Sommermärchen begann und als positiver Kulturexport Deutschlands gefeiert wird, es sind jetzt 5 große, internationale Turniere (Confed Cup, 2x WM, 2x EM) gespielt worden, wo Jogi Löw und seine Mannschaft n tollen Eindruck und nationale Begeisterung hinterlassen haben, aber in den entscheidenden Spielen gestrauchelt sind!

Natürlich 4x Halbfinale, 1 EM Finale zu erreichen ist großartig und zeigt, dass die Nationalmannschaft konstant auf hohem Niveau spielen kann und zurecht zu den 4 besten Nationen der Welt gehört! Und natürlich gehört der jungen, entwicklungsfähigen deutschen Mannschaft die Zukunft und es sind noch einige weitere hoffnungsvolle Talente, die nachrücken! All das spricht für Jogi und seine Löwen!

Aber:

Vielleicht haben manche Beobachter nicht ganz unrecht damit, dass der Mannschaft vielleicht (noch) etwas fehlt,was andere Manschaften (schon) haben: eine Art Sieger-Gen!? Bis zu einem gewissen Punkt sieht alles toll aus, aber im entscheidenden Moment, so wie gestern gegen Italien, war niemand da, der auf dem Platz das Heft in die Hand genommen hat. Auch habe ich jemanden vermisst, der mal mit seiner Kraft und Körpersprache den Willen vermittelt hat, das Match zu drehen. Es wirkte zuweilen etwas „hilflos“, besonders in der 1. Halbzeit.

Jogi Löw hat sein Konzept und Spieleraufstellung ausgegeben und die Mannschaft war im Vertrauen darauf, dass alles so klappt. Hat es dann aber nicht! Das ist schade…aber letztlich ist es Sport und Niederlagen gehören dazu!

Ich will auch nicht alles schlecht reden oder in Frage stellen, nur mit jedem Turnier ist das Selbstvertrauen gewachsen und gleichermaßen auch das Selbstverständnis, dass man bereit für den Titel sei! Und da hab ich das Gefühl, Anspruch und Wirklichkeit klaffen da etwas auseinander.

Oder anders gesagt: Wer so vollmundig der Weltpresse verkündet, dass man jede Mannschaft schlagen kann und bereit sei für den nächsten Schritt, der muss es dann letztlich auch mal tun!!!!

Im Sport ist es leider so, dass der 2. eben der 1. Verlierer ist, das haben die Bayern-Spieler diese Saison 3 Mal schmerzhaft erfahren müssen und so auch die Nationalmannschaft!

Klar, als Botschafter eines neuen multikulturellen, weltoffenen, symphatischen Deutschlands ist die Nationalmannschaft sicher ein Musterbeispiel, aber reicht das?

Fehlt der Mannschaft einfach in „Winner“ Typ, an dem man sich reiben aber auch aufrichten kann? Genauso eine Art Spieler, wie er in anderen Mannschaften da ist, aber Jogi Löw ihn nicht haben möchte (siehe Frings, oder Ballack), im Sinne von Harmonie und flachen Hierachien?

Ich sehe viele Spieler, die intelligent, reflektiert, selbstkritisch, modern, aber auch angepasst und irgendwie „ferngesteuert“ sind, keiner möchte der Buhmann sein, oder auch mal positiv „anecken“. So wie Gestern die Spieler traurig und enttäuscht, aber man bei niemanden das Gefühl hatte dass er richtig sauer und frustig ist und das auch mal zeigt…alles war so „aufgeräumt“.

Ist diese National-Mannschaft einfach zu „brav“ ?

e.