Soundcheck (Vol. 4)

1. Nachdem sich John Mayer Anfang der Jahrtausenwende mit sanften Soul-Pop Melodien aus dem Wonderland in den Radio Playlists auch hierzulande breit machte, begann er mit seinem 3. Album „Continuum“ andere Töne anzuschlagen. Zwar war er auch vorher schon als beseelter und hervorragender Gitarrist bekannt, beschloss er aber nun seinen kompletten Stil in eine Richtung zu schieben, der seinem melodiösen Spiel nahe kam. Das Ergebnis war zeitloser von Jazz und Blues-Rock inspirierter Pop. Hört sich natürlich auf den ersten Blick nach Musik für das Feuilleton an, ist aber beim Hinhören viel mehr.  Und auf Belief  kann man dem uneingeschränkt Glauben schenken!

 

2. Das neue Album (das erste als Independant Band) von den Counting Crows „Underwater Sunshine…“ habe ich ja schon in Auszügen rezensiert, aber natürlich lasse ich es mir nicht nehmen hier noch einen Song vorzustellen, der mir auch sehr gut gefallen hat…nämlich das anfänglich schwüle, bluegrassige  Like Teenage Gravity, das zum Ende mit einem furiosen Finish aufwartet. Auch hierbei handelt es sich um eine Fremdkomposition vom amerikanischen Folkrock Musiker Kasey Anderson, der dieses Jahr mit seiner Begleitband The Honkies ausgiebig durch die USA tourt. An sich nichts Ungewöhnliches, wäre da nicht die Tatsache, dass er im Vorprogramm einer anderen namhaften Band spielt..nämlich keiner Geringeren als den Counting Crows!!!

 

3.  Auch die schottisch-amerikanische Alternative Rockband Garbage meldet sich derzeit mit neuem Album zurück. Nachdem vor 7 Jahren das letzte Album betourt aber mitten in der Tour ein plötzlicher Abbruch kam, gab es nichts Neues mehr, außer von Sängerin Shirley Manson, die sich als Schauspielerin versuchte und ein Soloalbum aufnahm, das aber nie veröffentlicht wurde. Bezeichnenderweise kam es 2010 durch ein Treffen auf einer Beerdigung wieder zu ersten Annäherungen der Bandmitglieder, was letztendlich in dem am 12 Mai 2012 veröffentlichten Album „Not your kind of People“ mündete. Blood for Poppies stellt den Alternative-Rock-Electronica Auftakt dar, allerdings kann man Entwarnug geben,  klingt der Titel doch „reißerischer“ als er ist.

 

4. Neulich hab ich wieder im virtuellen Plattenarchiv gekramt und bin mal wieder Robert Palmer gelandet nach langer Zeit. Der 2003 viel zu früh verstorbene Brite ist den meißten ja mit seinem Bombast Funk Pop a lá Addicted to Love in Erinnerung. Seine Wurzeln sind aber unverkennbar im Reggae zu finden, auch wenn seine Spätwerke davon nur noch rudimentär zeugen. Wenn man aber ins Jahr 1978 zurückblickt, findet man die insegsamt 3. Single von ihm, die gleichzeitig die erste und eine der bekanntesten Komposition hierzulande von ihm ist. Nächstes Jahr ist demnach der 10. Todestag des charismatischen und bescheidenen Musikers und dazu würde das augenzwinkernde Best of both Worlds hervorrangend passen.

 

5. Aus Norwegen kommt das Electronic & Dance Dou Röyksopp, dass bereits mit ihrem ersten Album einen Millionenseller aus der Taufe hoben und mit dem Nachfolger „The Understanding“ aus dem Jahr 2005 auch einem breiteren Mainstream Publikum bekannt wurde. Maßgeblich verantwortlich ist die 3. Single-Auskopplung aus diesem Album, nämlich das mystisch-spärisch wirkende What else is there? , das besonders durch den markanten Gesang der Schwedin Karin Dreijer getragen wird. Eine Zusammenarbeit die sich 2009 auf den Album „Junior“ wiederholte, allerdings mit „This must be it“ nicht annähernd so erfolgreich wurde.

 

6. Immer wenn ich das Album SO von Peter Gabriel aus dem Jahre 1986 höre, denke ich an ein Best-of Album, das das bisherige Oeuvre des Musikers zusammenstellt. Immerhin ist SO ja auch bereits sein 5. Album gewesen und für eine Retrospektive wäre ja auch genug Zeit und Material zu bestaunen gewesen. Aber Irrtum, SO ist die Mutter seiner Best-of Werke. Kaum ein Song von diesem Album, der nicht Chart Erfolge feiern konnte, oder zumindest bis heute Fan Favoriten Status oder Live Standard in seiner Setlist wäre. Ein imposantes Werk, dass auch noch Besonderheit dadurch erlangt hat, dass es den Zyklus der selbstbetitelten Alben ablöste und andererseits einen Zyklus der Ein-Wort-Album-Titel einleitete (So, Us, Passion, Up, Ovo). Der dramatisch-mitreißende Ambient World Song Mercy Street, bei dem die Triangel eine tragende Rolle spielt, basiert auf dem tragischen Lebensverlauf der amerikanischen Autorin und Schriftstellerin Anne Sexton und ist ihr gewidmet.

 

7. Alte Bekannte und Weggefährten von Peter Gabriel sind auf dem Song Calling all Stations zu hören und stammen vom gleichnamigen 1997er Album von Genesis, die Ursprungs Progressive-Rock-Formation, die Peter Gabriel mit Steve Hackett in den frühen 70er Jahren gründete. Nachdem Phil Collins 1996 der Band den Rücken kehrte, versuchten sich die übrig gebliebenen beiden Mitglieder Tony Banks und Mike Rutherford mit dem Rock Sänger Ray Wilson, der mit der Band Stiltskin einen europaweiten Hit mit „Inside“ hatte und einem mehr an die Progressive Wurzeln Genesis angelehnten Sound. Ein Projekt, das man als veritable Fehlkalkulation und kommerziellen Misserfolg bezeichnen konnte, dass sogar durch die komplette Absage der darauffolgenden US-Tournee zum Desaster wurde. Seither gab es noch eine quasi Reunion Tour zusammen mit Phil Collins, aber seither keine weiteren Lebenszeichen mehr. Von daher kann man Calling all Stations ein wenig als damaligen Hilferuf verstehen, der aber mehrheitlich in den Weiten des Äthers verhallte.

 

8. Auch das Album „Valtari“ der isländischen Band Sigur Rós hab ich hier schon an-rezensiert und bereits mehrfach auf meinem Plattenteller gedreht. Wie gesagt Slo-Mo-Rock nennt das die Band um den Sänger Jónsi Birgisson  und seiner markanten Falsett-Stimme, die allen Songs immer etwas mystisches verleiht. Auf Valtari ist eine Spur mehr elektronsicher Einfluss zu hören, aber Songs wie Varúð (engl. Caution) zeugen von organischer Stärke und Kraft, das sich in ein aufbrausendes Klanggewitter entwickelt, um dann aber wieder in der Stille zu versinken. Ein zwingendes Highlights auf dem Album!

 

9. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich hier schon vor einiger Zeit den Song „What the Water gave us“ von Florence and The Machine als Hörprobe angepriesen, allerdings nicht so recht überzeugt war von den „Soundfetzen“ des Albums „Ceremonials“,  die ich bis dato durchgeskippt hatte. Irgendwie sagte meine innere Stimme aber, dass ich das Album gedanklich nicht loslassen sollte und seit ein paar Wochen ist es nun in meinem Besitz. Und was soll ich sagen: Nicht nur die Tatsache, dass ich hier einen weiteren Titel spiele ist Ausdruck dessen, wie groß-artig das Album in Echtzeit ist. Und auch erst im gesamten Kontext entfacht es seine ganze schillernde, barocke Indie Art-School-Pop Blüte. Also Sorry nochmal dass ich Songs wie das harfige Spectrum, monatelang quasi verschmäht hab. Dafür also hier die Wiedergutmachung!

 

10. Das Album „This Machine“ ist auch bereits seit einiger Zeit in meiner Heavy Rotation und ist heute auch mein bass-brummender, leicht psychedelischer Alternative Glam Rock Rausschmeißer-Song, der irgendwie mit seinen verzerrten Klang Collagen nie so richtig aus dem Schuh zu kommen scheint und handgebremst wirkt. Aber nach näherer Betrachtung bzw. mehrmaligen Hören merkt man, dass es genau das ist, was The Dandy Warhols bezweckt haben um ihrer teilweise Ablehnung überinterpretierter Musiktrends Ausdruck zu verleihen! Dann „langweilen“ wir uns eben mit Sad Vacation..gibt wahrlich Schlimmeres!

 

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Soundcheck (Vol. 3)

1. Heute beginne ich mal mit einem Veteranen der US Rockszene. Kein geringerer als Tom Petty, ein Urgestein amerikanischer Musikgeschichte, der 1994 sein 2. von bislang nur 3 Solo Alben eingespielt hatte. Ein Großteil seiner Diskografie kann man ja den „Heartbreakers“ zuordnen…aber auf „Wildflowers“, musste man auch nicht auf den Input seiner Bandkollengen verzichten und der Titel Hard on me ist einer der athmosphärischen Highlights dieses recht ruhigen, teilweise folkig, blues-rockigen Albums.

2. Das Afro Celt Sound System, klingt zwar wie ne Monster Verstärker Anlage, ist aber eine großartige World-Music Formation, die mit keltischen und afrikanischen Klangwurzeln ethnische und moderne Elektronic Dance Sounds kreiert. Zwar hatte sich diese Supergroup 2007 einmal augelöst, aber mittlerweise ist sie wieder zusammen und aktiv. Von daher hat das auch sicher Peter Gabriel gefreut, ist doch die Band nach Peter Gabriel selber das „beste Pferd“ in Gabriels Label „Stall“. Vom 2005er Album „Anatomic“ stammt der Song My secret Bliss. Allerdings in einem 2011er Remix Gewand von Stephanie Caffrey.

3. Der erste Chart Erfolg von Prefab Sprout war The King of Rock´n´Roll zwar nicht, aber es war bislang der größte, dieser außerhalb Großbritannien nicht übermäßig bekannten  Band rund um ihr Mastermind, Paddy McAloon –  den viele Kritiker als unterbewertetes Genie und einen der besten Sonwriter der 80er Jahre hielten. Nichts desto Trotz  findet sich auf der Werkschau „A lifetime of Surprises“ überraschend viel Vertrautes und man bekommt einen sehr guten Eindruck welches Potenzial die Songs von McAloon haben.

4. Arcade Fire ist eine Indie Rock Band aus dem fernen Canada, die es aber geschafft haben in den USA und auch in Europa Tritt zu fassen und mittlerweile zu den wichtigen Bands des Indie Rock Genres gehören. Zu ihren Besonderheiten gehört zweifellos, dass alle Band Mitglieder mehrere Instrumente spielen können und dieses auch auf ihren Konzerten demonstrieren, indem sie unterschiedliche Instrumente bedienen. Aber besonders ist auch dass sie untypische teilweise aus der Klassik bekannte Intrumente mit auf Tour nehmen. Zu den bekannten ex-Mitgliedern gehört unter anderem Owen Pallett, der seither einen guten Ruf als Violinist und Streicher Arrangeur in der Musik Szene hat. Vom 2010er -an den sog. Art-Rock angelehnten- Erfolgsalbum „The Suburbs“ stammt We used to wait. Aber das müssen wir nicht mehr lange, denn das neue Album ist schon in den Startlöchern.

5. Ein bis Heute aktiver Pionier der Avantgarde Pop Musik ist der eigenwillige und schillernde David Sylvian, der in den späten 70ern bekannt wurde als Sänger von „Japan“ – die auch heute noch als Leitbild vieler sog. Art School Bands gilt. Seiner Solo Karriere  danach kann man sehr oft klassische bis hin zu Ambient Klängen entnehmen, was seiner Nähe und vielfache Zusammenarbeit mit Brian Eno und David Bowie, sowie dem japanischen Künstler Riuichy Sakamoto bezeugt. Seinen Hang zu reflektierten und esoterisch anmutenden Songs spiegelt The Boy with the Gun vom 1978er Album „Secrets of the Beehive“ wieder, dessen Nachfolger von 1999 logischer- und konsequenterweise „Dead Bees on a Cake“ hieß.  Aber keine Bange – das ist nicht nur Musik für Bienenzüchter!

6. Marillion sind nicht nur Urgesteine der englischen Progressive Rock Szene, die in den 70ern und frühen 80ern ihren Höhepunkt hatten, sie haben auch ein Problem: Sie werden von englischen Radiosendern gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Vielleicht liegt es daran, dass viele ihrer Alben – die in der Fachpresse- durchaus positiv und wohlwollend bewertet werden, selten höhere Chartregionen und von daher größere Verkaufszahlen generieren. Und das obwohl die Band regelmäßig auf Tour ist und eine große Fangemeinde hinter sich weiß.  Ein weiteres Merkmal ist, dass sie ein innovatives Vertriebmittel für sich entwickelt haben; nämlich dass Fans vorab per Spenden mithelfen das jeweils nächste Album mitzufinanzieren und im Gegenzug limitiertes Bonusmaterial bekommen und als „Friends“ im jeweiligen Booklet aufgeführt werden, sodass diese auch weiterhin nicht Afraid of Sunlight sein müsen.

7. Seit 2006 ist die norwegische Sängerin und Songwriterin Maria Mena auch hierzulande ein Begriff und galt bislang als begabte Newcomerin mit guten Perspetiven auf eine international Karriere. Gute Verkaufszahlen und Konzerte durch ganz Europa waren die Folge. Das 2011er Album „Viktoria hingegen hat diesen Trend allerdings etwas gebremst, denn trotz ordentlicher Chartplatzierungen war der kommerzielle Erfolg eher als bescheiden anzusehen. Das ist nicht immer das Hauptkriterium für die Qualität, die durchaus auf dem Album zu hören ist, aber leider oft Maßstab für die mediale Unterstützung einer hoffnungsvollen Künstlerin. Auf jeden Fall demonstriert sie das auch auf Homeless – hier allerdings in einem nicht mehr ganz so beseelten Remix von Hot Milk.

8. Natürlich steckt in Depeche Mode Songs fast ausschließlich Martin Gore. Der medienschüchterne Kopf der Band gilt ja in Fachkreisen als eigenwillig und wenig Inputfreudig, wenn es um Songideen seiner Bandkollegen geht. Erst seit Sänger Dave Gahan 2003 seinen Soloerstling veröffentlichte, gelang es  zumindest mal 2 Songs zu einem Depeche Mode beizusteuern, die Nicht komplett aus Gore´s Feder stammten. Man muss ja nicht gleich übertreiben…Auf jeden Fall hat Martin Gore bereits 1989  seine erste von 2 Solo Alben veröffentlicht, wobei es ja defacto nur 1 ist. Denn „Counterfeit E.P.“  war ja nur ein Mini-Album mit Fremdkompositionen und der Nachfolger  Counterfeit2 aus dem Jahre 2003 ein reguläres Studioalbum mit Eigenkreationen . Und von dieser ersten E.P. stammt das DM typische Compulsion.

9. Fast genau 3 Jahre ist es jetzt her, dass der selbsternannte King of Pop nicht mehr da ist! Es ist merklich ruhig geworden, denn nach ihm sind auch Amy Winehouse und Whitney Housten auf tragische Weise zu Tode gekommen. Alles Persönlichkeiten, die im Leben gestrauchelt sind aber in ihrer Kunst etwas Außergewöhnliches vollbracht haben, das bleiben wird. So natürlich auch besonders bei Michael Jackson, dem man sicher viel skurriles und teilweise bizarres ansehen udn nachsagen konnte. Viele Fragen sind auch heute noch nicht beantwortet und vielleicht ist das auch Teil des Mythos mit dem sich seine Unvergänglichkeit beschreiben lässt…dass man vieles ahnt, aber niemals richtig weiß! Genau darum geht es bei Why you wanna trip on me:  Die einerseits verstehbare, aber andererseits dann auch wieder kindlich naive Frage, warum gerade er so im Mittelpunkt steht, wo es doch viel größere Dinge auf der Welt gibt, die einer Beachtung verdienen. Recht hatte er, aber hinhören darf an dieser Stelle erlaubt sein!

10. Sorgen bereitete im April 2012 auch eine Nachricht über Sinead o´ Connor. Einerseits, dass sie ihre aktuelle Tour komplett absagen musste, was sicher viele Fans enttäucht hat, sondern viel mehr der Grund: „manische Depression“! Einfach gesagt, das Spannungsverhältnis zwichen Gefühlen der Großartigkeit und dem plötzlichen Moment absoluter Leere und Bedeutungslosigkeit. Natürlich ein „positives“ Signal, dass sie Fans und die Öfffentlichkeit auf diese psychische Krankheit aufmerksam und sensibel macht, andererseits ändert es nichts daran, dass die Sorgen um eine weitere großartige Künstlerin, die in ernstzunehmenden Schwierigkeiten ist, bleiben. Ein Song, der vielleicht ein bischen Einblick gibt in das emotionale Innenleben dieser Frau, stammt aus dem Soundtrack zum Film „In the Name of the Father“.  Geschrieben und produziert vom U2 Sänger Bono und dessen irischen Kumpel Gavin Friday, die Sinead in dem großartigen Song You made me the Thief of your Heart zum Diebstahl anstiften.