Post an Wagner

Lieber Franz-Josef Wagner,

was für ein furchtbarer Gedanke, dass nicht alle Menschen Ihre Kolumnen lesen. Wer seine Zeit damit verbringen muss, sich mit den Alltagsproblemen herumzuschlagen und nicht in Ihren fast poetisch anmutenden Zeilen Trost und Kraft für die Bewältigung dessen zu finden vermag.

Sie, der dem kleinen Mann von der Straße, dem Arbeiter in der Fabrik, dem Müllmann, dem Kumpel in den Zechen eine Stimme gibt und ausspricht was des Volkes Stimme sich nicht zu sagen traut.

Sie, der sich an seine Mutter erinnert, wie sie Ihren Hungerbauch in den Nachkriegsjahren zu entkrampfen vermochte und deren Pflaumenkuchen Sie dennoch mit Leidenschaft genossen haben.

Sie, der den Müttern der Nation zur moralischen Gerechtigkeit verhilft, in dem Sie medial die Politik geißeln, weil sie dabei ist, Mütter über das Betreuungs- und Kita Geld in gute und schlechte Mütter zu klassifizieren und damit zu stigmatisieren!

Ich danke Ihnen dafür, dass Sie uns ins Bewusstsein rufen, dass Sie als Baby immer genug Wasser bekamen, dass die Brüste Ihrer Mutter leer waren und sie Blätter im Wald sammelte.

Ich danke Ihnen, dass Sie uns daran erinnern, dass heutige Mütter genau das gleiche für ihre heutigen Kinder tun!

Sie, der 1991 einer neuen Zeitschrift mit ihrer Schlagzeile schon am 2. Erscheinungstag das Image „geprägt“  haben.

Sie, der 2000 nicht mehr Chefredakteur sein durfte, weil Sie in Ihrer Funktion öffentlich ehrverletzend waren!

Sie, dessen ehemaligen Kollegen sich anonym über ihren Führungsstil beschwert und Ihre Entlassung gefordert haben.

Sie, der in Ihrer eigens für Sie von der Bild-Zeitung geschaffenen Rubrik, öffentlich andere Menschen beleidigten und diffamierten, worauf Sie von einem ordentlichen Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt wurden!

Sie, lieber Herr Wagner, haben in Ihrem Leben die Höhen und Tiefen erlebt und in Ihrer journalistischen Tätigkeit viel Kritik und Unverständnis erfahren und erleiden müssen.

Auch weil Menschen wie ich Ihre Sichtweisen nicht verstehen. Das, lieber Herr Wagner liegt aber außerhalb Ihrer Verantwortung…

Ich werde Sie vermissen, wenn Sie irgendwann nicht mehr schreiben wollen und können. Wenn die Kraft Ihres poetischen Kolumnen-Feuers erloschen ist. Ich werde es vermissen über die „Unerträglichkeit Ihres Seins“ nachzudenken und zu schreiben.

Für die Zeit mit Ihrer Familie als Privatier wünsche ich Ihnen jetzt schon alles erdenklich Gute!

Herzlichst,

e.

http://www.bild.de/news/standards/mutter/post-von-wagner-24483926.bild.html

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„Friss oder stirb“

Ein guter Zustandsbericht aus der Süddeutschen Zeitung von heute, der zeigt in welches vermeintliche Dilemma sich die Linke wiederum hineinzumanövrieren droht, nachdem sie glaubten, dass mit dem Verzicht von Oskar Lafontaine auf den Parteivorsitz nun Ruhe einkehre und geordnete Verhältnisse geschaffen werden können.

Die Kritik an Lafontaine bezog sich ja auf das autokratische und erpresserische Verhalten, ihn doch bitte den Vorsitz quasi per Inthronisation durch das gemeine Parteivolk anzutragen und von Kritik oder gar Gegenkandidaten abzusehen.

Mit diesem Versuch ist Oskar Lafontaine erwiesenermaßen gescheitert! Denn es war für alle abseh- und durchschaubar, dass sein persönlicher Erzfeind Dietmar Bartsch, der bereits vor Monaten seine Ambition auf die Führung der Partei offen als Angebot proklamiert hatte, verhindert werden sollte. Und damit einen offenen Konflikt zwischen den zerstrittenen Flügeln mehr befördert als geschlichtet hat.

Nun haben sich Katharina Schwabedisssen und Katja Kipping zusammengetan und wollen als Frauenduo die Spitze der Partei übernehmen, um auf diese Weise wieder Frieden, jenseits der Flügel herzustellen. Beide gehören eher zu den weniger bekannten und moderaten Personen im undurchsichtigen Dickicht von Strömungen innerhalb der Linken.

Nichts desto Trotz hat nun Katharina Schwabedissen eine Splittung des angedachten Duos verneint und somit auch eine denkbare Konsenslösung zusammen mit Dietmar Bartsch ausgeschlossen! Demzufolge ist es ihr Ziel dass beide Frauen nur gemeinsam an die Spitze wollen.

Und da stellt sich die Frage, ob es dort nicht wieder zu Konflikten kommen kann, denn auch dieses Beharren auf eine verengte Personenentscheidung lässt wenig Spielraum und führt die Parteibasis an eine „Friss oder Stirb“ Entscheidung.

Und war es nicht genau das, warum sie sich bei dem Gebaren von Lafontaine erdrückt und bevormundet fühlten ?

Und haben wir wirklich das Ende der großen Parteikarriere von Oskar Lafontaine erlebt? Hatte er doch medienwirksam verlautbart, dass eine Kampfabstimmung mit Dietmar Bartsch nicht der krönende Abschluss seiner Karriere sein sollte. Wie ist dementsprechend der Rückzug in den Schmollwinkel zu deuten?

Bereitet er die nächste Offensive vor? Lässt er sein politisches Vermächtnis nun in Form seiner Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht, bei der ebenfalls Ambitionen auf ein Führungsamt im Raum stehen, verbreiten?  Oder tingelt er nur noch medienwirksam durch Talkshows und nimmt nur noch lukrative Auftritte an?

Quo Vadis Oskar, quo vadis Die Linke?

e.

…zurückgebloggt!

Die Ohnmacht der Angela M. (von Thomas Walde/ZDF)

Präsidentenkür und verfehlte Kanzlermehrheit markieren eine Wende für die schwarz-gelbe Koalition. Die Ereignisse der vergangenen Tage haben einen alten Schnack bestätigt: Eine Woche ist in der Politik eine lange Zeit. Angela Merkel, eben noch auf der Höhe der Macht und der Umfragewerte, meinte den Griechen strengere Sparauflagen verordnen und den Franzosen erzählen zu können, wen sie bitteschön zum Präsidenten zu wählen haben.

Die SPD-Führung verkündete, direkt Angriffe gegen Merkel erst einmal einzustellen. Dann musste der von Merkel einst durchgesetzte Bundespräsident Christian Wulff zurücktreten. Dann nutzte der kleine Koalitionspartner FDP den Nachfolgekandidat Joachim Gauck, um Merkel vorzuführen und sich gegen sie zu profilieren. Seit Tagen feiert der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler seinen kleinen Coup, was der Unionsführung schwer auf die Nerven geht.

Kurz vor der Abstimmung zum Griechenland-Rettungspaket war es dann der andere Koalitionspartner, der Merkel düpierte. Innenminister Friedrich von der CSU machte deutlich, dass trotz aller Hilfspakete die Zukunft der Griechen besser außerhalb der Eurozone liege. Und mehrere Christsoziale pflichteten ihm bei – auch das ein direkter Widerspruch zu allem, was Merkel bisher offiziell vertreten hat. Schon da wurde deutlich, dass die Zentrifugalkräfte in der Koalition immer größer werden. Und dann die (vorläufige) Krönung: Merkels Kanzlerinmehrheit steht nicht bei der so wichtigen Abstimmung über die Griechenlandhilfe. Die eigenen Reihen versagen die überzeugende Gefolgschaft  in dieser zentralen politischen Frage der Kanzlerschaft Merkels.

In der Politik gilt: nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg. So lange man Zweiflern in den eigenen Reihen deutlich machen kann, dass man sich bei Wahlen, Abstimmungen und in Umfragen durchsetzt, so lange wird partei- oder koalitionsinterner Widerstand nicht offen ausgetragen. Jetzt setzt für Bundeskanzlerin Merkel die Kehrseite ein: Wenn Koalitionspartner erst einmal merken, dass man sich ungestraft gegen die Chefin profilieren kann, dann führt das zu Abstimmungsschlappen, und die führen zu lauter werdender Kritik. Misserfolge bringen neue Schwäche. Und die provoziert neue Misserfolge.

Im vergangenen Jahr hat die schwarz-gelbe Koalition auf Landesebene zahlreiche Wahlniederlagen erlebt. Die Führungsstärke von Angela Merkel hat Widerstände in den eigenen Reihen auf Bundesebene erstickt. Jetzt reicht die Führungskraft nicht mehr aus, um Zweifel an den immer neuen Hilfen für Griechenland zu ersticken.

Der Soziologe Max Weber hat Macht einmal als die Möglichkeit definiert, eigene Interessen gegen Widerstände durchzusetzen. In den vergangenen Wochen hat Bundeskanzlerin Merkel mehrfach die Grenzen ihrer Macht erkennen müssen. Den Widerstand in den eigenen Reihen hinnehmen müssen. Innerkoalitionäre Kritiker werden sich ermuntert fühlen. Eine Woche kann in der Politik eine lange Zeit sein.

(ZDF) Thomas Walde

Wenn man bedenkt, wie wenig Parlamentarier im Detail über das Ganze (700 Seiten!!!) informiert sind finde ich es vertretbar, dass man bei Unbehagen sich der Stimme enthält, oder eben sagt, dem kann ich nach meinem Erkenntnisstand NICHT zustimmen!

Überraschend ist halt nur, dass das so auch umgesetzt wird…letztlich hat sich Frau Merkel ja sicher auch mit Altmeier, Kauder und Gröhe n Abwehrbollwerk aus nibelungentreuen Parteisoldaten installiert, was jede Kritik oft schon im Kern erdrückt hat…so funktioniert das sicher…und so sichert man (Haus-) Macht!

Was mich vielmehr stört, ist dass die Opposition so zahm ist. Hier böten sich doch jederzeit Möglichkeiten Frau Merkel wirklich Probleme zu bereiten.

Muss man als Koalition nicht dagegen sein, wenn man andererseits die Kanzlerin so hart attackiert?

So gerät das Grollen letzlich nur dazu, dass man als Wähler keine Meinungsalternative hat und im Zweilel, dann eben das Original wählt und nicht die opppositionelle Kopie!
Eddi | 28. Februar 2012 | 11:47 | Antworten

Nachtrag:

es muss natürlich heißen:

Muss man als OPPOSITION!!! nicht dagegen sein, wenn man andererseits die Kanzlerin so hart attackiert?
Eddi | 28. Februar 2012 | 11:54 | Antworten

vishttp://blog.zdf.de/zdfdasblog/2012/02/28/die-ohnmacht-der-angela-m/