LSR – Wie Verlage die Realität verweigern

Ich muss zugeben, dass ich die seit einiger Zeit teilweise aufgeregt und verbissen geführte Diskussion um und über den vom Bundesjustizministerium in persona  Sabine Leutheusser-Schnarrenberger initiierten Referentenentwurf zum Thema Leistungsschutzrecht (LSR) nur am Rande verfolgt habe.

Allein die Beschäftigung mit den Themen Urheberrecht, ACTA & Co. erfordert soviel Zeit und Energie, dass es schon mal überfordernd sein kann. Zumal es sich auch hierbei ja erst mal noch um eine Gesetztesvorlage, also einen Entwurf für ein mögliches Gesetz handelt!

Dennoch bedarf es eines genaueren Blickes:

Der Protest und die Kritik vieler Netzaktivisten und Blogger lässt die zuständige Ministerin in einem Licht stehen, als würde sie dem Willen der großen Verlage entsprechen (stellvertretend sei hier der Axel-Springer Verlag genannt)  und ein Gesetz formulieren, das ihnen die Kontrolle über Information, die Art der Verbreitung und Refinanzierung verschafft, aber eben auch die Möglichkeit bietet, Nutzern untersagen zu dürfen, Presse-Erzeugnisse zu verwenden, sofern keine Nutzungs-Lizenz erworben wurde. Notfalls auch per Gerichtsentscheid und Strafzahlungen!

Nun ist es ja schon seit einigen Jahren so, dass das Internet den großen Musikverlagen ja schon eine völlig neue Dimension der Vermarktungchancen aufgenötigt hat, die sie lange gar nicht wahrhaben und sehen wollten. Vielmehr taten und tun sie sich schwer, Geschäftsmodelle zu entwickeln, die der veränderten Situation Rechnung trägt. Ein erster Reflex war es, alles was nach digitaler Konkurrenz (Filesharing, Downloadportale) aussah, in Frage zu stellen, oder per Gerichtsentscheid zu verbieten. Substanziell verhindern konnten sie den Fortschritt aber auch nicht!

Auch basierend darauf, ist eine Urheberrechtsdebatte im Gange, in der Künstler, Journalisten, Autoren, etc. mehr Rechte und „angemessene“ finanzielle Beteiligung an den von ihnen erstellten kreativen Werken einfordern. Schließlich wollen sie davon partizipieren und  auch davon leben können!

Zeitungsverlage sehen sich durch das Internet ebenfalls seit Jahren um die finanziellen Früchte ihrer journalistischen Arbeit betrogen und wollen der sog. Gratis-Informations-Nutzung ein Ende bereiten.  Man könnte meinen, dass sinkende Auflagenzahlen der Printmedien und sinkende Einnahmen durch Werbeerlöse allein daraus resultieren, dass jedermann überall im Netz kostenlos an Informationen kommt und redaktionelle Werke der Verlage für seine Zwecke nutzt, unter seinem Namen  verbreitet, ohne dass erkennbar wird, wer eigentlich der Urheber des Werkes ist.

Dass die Verlage durch die virtuelle Verbreitung profitieren scheint nebensächlich, denn was die Verlage nicht gerne zugeben, sind vielmehr die schwarzen Kreativitätslöcher in puncto digitale Vermarktung ihres redaktionellen Contents im „bösen“ Web 2.0 . Ganze Zeitungen mussten schon eingestellt worden; Verlage fusionieren, oder gliedern gleich Verlagsredaktionen in fragwürdige Gesellschaften aus. So wie es gerade beim Springer-Verlag passiert, wo über 50 Redakteure und Mitarbeiter u.a. der Zeitschrift Computer-Bild  „aufgefordert“ werden, in eine neue verlagseigene Gesellschaft zu wechseln. Eine Gesellschaftsform, die selbstverständlich nicht an Branchentarifverträge gebunden ist. Hier scheint den Verlagen der Wert journalistischer Arbeit nicht ganz so wichtig zu sein!

Es geht natürlich um das liebe Geld. Um fehlende Konzepte und Ideen (Paid-Content, Paywall) und wie veraltete Verlags-Einnahmestrukturen doch noch irgendwie in das digitale Zeitalter hinüber gerettet werden können. Und wenn einem gar nichts mehr einfallen will, spannt man eben die Politik vor den Karren, oder man schickt den Chefredakteur der Bild-Zeitung für mindestens 6 Monate in die USA. Genauer gesagt nach Silicon Valley, das Herz der IT- und High-Tech-Industrie, um dort den Kreativitäts-Akku in Bezug auf digitale Vermarktungskonzepte für die Zukunft aufzuladen.

In dieser soll dann doch bitte die Nutzung redaktionellen Inhaltes kostenpflichtig sein, sofern er gewerblich genutzt wird.  Zum redaktionellen Inhalt zählt der Artikel an sich, aber eben auch Zitate aus dem Artikel, die Überschrift und das Verlinken des Artikels.

Im Klartext soll also jeder Blogger, der einen privaten (aber werbefinanzierten) Blog betreibt, eine Lizenz erwerben müssen, der ihn berechtigt fremde redaktionelle Inhalte auf seinem Blog zu nutzen. Denn es wird unterstellt, dass der private Charakter des Blogs nicht mehr vorhanden ist, wenn durch Werbung Einnahmen generiert werden. Dementsprechend handelt es sich dann um eine gewerbliche Nutzung. Wenn durch die Aufwertung seiner Artikel fremde Inhalte genutzt werden, muss dieser Mehrwert durch Zahlung einer Gebühr an den Urheber (Verlag) vergütet werden.

Interessant (weil juristisch klärungsbedürftig)  wird das es u.a. dann, wenn ein eh schon durch seinen Verlag schlecht bezahlter freiberuflicher Journalist, oder Autor für eine Zeitung redaktionelle Beiträge z. B. über das Thema „Internet“ schreibt, dann aber auf seinem rein privaten Blog ebenfalls Artikel zu dem gleichen Thema verfasst!

Es drängt sich der Verdacht auf, dass es in Zukunft vermehrt Richtersprüche geben wird, ähnlich wie im Fall Gema vs. Youtube (Google), wobei Youtube in der Verantwortung steht, nicht lizensierte Videos aus seinem Portal zu löschen, da Youtube kein Lizenzabkommen mit der Gema abschließt, die das Verwenden der Videos erlaubt. Ungeklärt dabei ist aber immer noch, wann ein Lizenzverstoß eigentlich vorliegt.

Laut einer Aussage der Bundesjustizministerin auf dem „Medienforum.NRW“ in dieser Woche soll angeblich die rein private Nutzung und Verbreitung von Presseartikeln nicht betroffen sein, sodass ich bis auf Weiteres meine selbstverfassten Artikel mit redaktionellen Inhalten von Online Print Quellen und Nachrichten-Portalen anreichern kann und werde.

Ob diese Praxis noch möglich sein wird, oder ob ich mich potentiell in Rechtsunsicherheit begebe, wenn das LSR dann erst mal zum anwendbaren Gesetz geworden ist, muss sich erst noch erweisen. Von daher sollte man die Entwicklungen genau im Auge behalten.

Sicher ist sicher…

e.

Heike Rost hat sich die Mühe gemacht die aktuellen Diskussions Beiträge bekannter Netzaktivisten, Blogger und Verbände in Form einer Linkliste zusammenzustellen!

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Zitat des Tages

Es gibt inzwischen auch 80-Jährige, die machen eine Homepage auf, so wie man früher noch einmal ein Bäumchen gepflanzt hat

 

Edmund Stoiber zum Thema Internet und der Einfluss auf die Gesellschaft

Gema-Streit: Was das YouTube-Urteil bedeutet – SPIEGEL ONLINE

Gema-Streit: Was das YouTube-Urteil bedeutet – SPIEGEL ONLINE.

Wenn die Wahl zur Qual wird!

Ich hab heute diesen Artikel gelesen: Generation Maybe hat sich im Entweder-oder verrannt

Ein guter Artikel, wie ich finde, der das ausdrückt was ich auch schon seit einiger Zeit wahrnehme und teilweise feststelle in meinem Umfeld.

Ich würde das auch nicht nur auf die Altersgruppe der 20-30 jährigen beschränken, sondern meines Erachtens fängt das Problem ja schon viel früher bei Jugendlichen an, die teilweise bei der Fülle von Möglichkeiten garnicht mehr richtig entscheiden können welchen Weg sie gehen können und wollen!

Noch nie schien es so schwierig zu sein, sich von äußeren Einflüssen frei zu machen und seinen eigenen, selbstbestimmten Weg der Zufriedenheit zu finden und zu gehen.

Andererseits wurde es auch noch nie so leicht gemacht mit geringem Aufwand etwas zu schaffen, was von der „normalen“ Lebensstruktur in die scheinbare Besonderheit führt.

Da sind natürlich die Selbstdarstellungsmediem wie YouTube, oder Facebook stellvertretend zu nennen. Das Internet an sich stellt alle Werkzeuge zur Verfügung, aus allem etwas Besonderes zu machen…eine Aufmerksamkeit zu erreichen, die auf traditionellem Weg sonst nie möglich wäre. Dem trägt natürlich auch das Fernsehen mit seinen zahllosen Casting-Formaten Rechnung. Jeder kann zeigen was er kann. Jeder kann besonders sein.

Und ich glaube darin liegt auch ein Stück weit das Problem: In vielem steckt oftmals wenig Substanz. Es wird aus scheinbarem Talent unreflektiert alles zur Schau gestellt in der Hoffnung, dass irgendjemand darin das Besondere erkennt. Gemäß dem „warholschen Gesetz“: „…in the future everbody will be famous for 15 minutes…“.

Was passiert aber wenn es wirklich nur 15 Minuten Ruhm sind? Beispiele gibt es ja genug, dass es nur wenige schaffen sich selbst zu sagen, die 15 Minuten waren toll, aber wichtig ist die Zeit danach! Viele klammern sich an diesen Moment der Aufmerksamkeit und schaffen sich eine Lebensgrundlage der Beliebigkeit. Nach dem Motto „Es ist egal was ich tu, hauptsache es verschafft mir die Beachtung und Aufmerksamkeit und ich muss meiner normalen, „gewöhlichen“ Realität entkommen!“

Ich erinnere mich da auch immer weider an das Gauck-Zitat der „coolen Feigheit“. In dem er von seinem viel zitierten Begriff der Freiheit und der freiheitlichen Selbstbestimmung erzählte und gleichzeitig genau diejenigen ansprach, die darin einen Lebensentwurf verstanden haben, der genau auf die oben beschriebenen (Schein-)Möglichkeiten verweist!

Genau das meinte Gauck aber ausdrücklich NICHT! Im Gegenteil meinte er diejenigen, die unter dem Begriff der Freiheit einen Lebensenturf verstehen, der ihnen zwar viele Möglichkeiten zur Wahl stellt, aber die sich dann für einen Weg entscheiden der eben nicht in den Hedonismus führt, nicht in die verantwortungsfreie Selbstbespaßungs-Menatlität führt.

Sondern vielmehr einen Weg aufzeigen soll, wie man mit sich und seinem Leben verantwortungsvoll umgeht. Wie man sich dem LEBEN mit all seinen Herausforderungen stellt und versucht aus sich selbst heraus diese zu meistern…Zufriedenheit aus sich selbst heraus und seinem verntwortungsbewussten Handeln zu finden.

Natürlich fragt man sich auch immer, wenn man eine Madonna sieht, die mit über 50 immer noch einem fragwürdigen Jugend-Stil verkörpern und immer noch „hip“ sein will, wenn man die Lady Gaga´s dieser Welt sieht, wenn man sieht wie Casting Shows und YouTube immer wieder Künstler hervorbringen, die mediale Aufmerksamkeit bekommen und als nichts Geringeres als Ikonen dargestellt werden; wenn die es mit bescheiden Mitteln geschafft haben, warum dann nicht eigentlich Ich? Schließlich heißt es ja „DU könntest der nächste Justin Bieber sein°!

Schlimmer sogar empfinde ich sogar noch die Model Casting Formate, die unbedarften und teilweise naiven jungen Menschen vorgaukeln, dass es reicht einem von anderen Menschen vordefinierten optischen Raster zu entsprechen und schon kann man sich aus der breiten Masse abheben und Teil des Besonderen werden…mit wenig Mitteln ein Maximum an Aufmerksamkeit und Wohlstand zu erlangen.

Also ein fehlgedeutetes ökonomisches Prinzip? Oder ist es vielleicht eine Zeit der falschen Vorbilder und Ideale?

e.

TV Total(Ausfall)

Nun gut, über den kriselnden Gottschalk hab ich ja hier bereits geschrieben und trotz sog. „Relaunch“ mit Studiopublikum und neuer Studeioeinrichtung, die ein bischen nach Markus Lanz, oder Heute-Show..für manche sogar nach Tchibo aussieht, scheint der Weg Gottschalks aus der „Vorabend-Todeszone“ nach wie vor wie ein Irrgarten zu sein.

Immer mehr muss man annehmen dass der ARD letztlich keine Wahl bleibt, das TV Monument Gottschalk vom Sockel zu holen. Man hört, dass sich die ARD Sorgen um die Tagesschau-Quote macht….

Bei aller berechtigten Kritik an Gottschalk, die ich mehrheitlich teile, muss ich mich aber dennoch fragen, wo der Kern des Problems liegt:

Klar, Gottschalk Live und sein Sende Konzept ist im Vorfeld maßlos überhöht worden und wirkte mehr gewollt als durchdacht und zudem mit einem Moderator besetzt worden, dem im Vorfeld eigentlich niemand weder Talk-Show, noch „Social Media“ Kompetenz attetstiert hätte. Und um ehrlich zu sein, den Gegenbeweis ist Gottschalk bis heute mehr als schuldig geblieben!

Gut, andere Sender haben ähnliche Schnellschüsse mit bewährten Köpfen und bewährten Konzepten versucht und haben auch relativ schnell und teilweise panisch überhastet den Stecker gezogen.

Oliver Pochers quälende, selbstverliebte Comedyversuche: gut das kann man verstehen; Johannes B. Kerners haltungsarme Schmeichel-Talk Belanglosigkeiten für Bild-Zeitungsleser wollte auch niemand mehr sehen.

Dass Stefan Raab mit seiner teilweise erbärmlich humorlosen TV-Total Soße immer noch auf Sendung ist, liegt meines Erachtens auch mehr darin begründet, dass es kein adäquates Ersatzformat gibt und Raab es sich leisten kann sein abendliches Format als Promotion Vehikel für seine großen Event-Shows durchzuschleusen.

Und nun also Harald Schmidt! Das Aus nach nicht mal einem Jahr…Und warum? Die Quote! Immer wieder dieses Quoten Monster, vor dem jeder Fernsehmacher in seinem Elfenbeinturm vor Angst in die Knie geht.

Liegt das tatsächlich alles nur an den Köpfen, die keiner mehr sehen will? Oder macht man es sich vielleicht zu einfach, indem man wie im Fußball für teures Geld Stars einkauft und hofft dass dadurch Erfolg planbar sei? Wenn dem so ist, dann haben die aktuellen Entwicklungen dieses Prinzip ad absurdum geführt und als grandiose Fehleinschätzung offenbart!

Oder ist es ähnlich wie im Musik Business wo die großen Plattenfirmen die Entwicklungen im Internet Zeitalter erst verschlafen, unterschätzt und dann in panikartiger Weise dem illegalen Musiktausch im Netz per Klageflut Herr werden wollten? Und alles nur weil man meinte ein goldenes Kalb noch nicht zuende gemolken zu haben oder vom eigenen kreativen (Musik-Vermarktungs-) Totalausfall abzulenken?

Es scheint doch immer deutlicher eine Tendenz dahin zu gehen, dass sich die mediale Welt immer mehr ins Internet verlagert. Sei es Musik, sei es Printmedien…aber eben auch das Fernsehen, bzw. die Angebote immer mehr virtuell konsumiert werden. Die klassischen Offline Medien werden zunehmend weniger nachgefragt. Darin liegt vielleicht auch ein Grund für schlechte Quoten und gebe es das Internet nicht würden diese Quotendebatten nicht so drastische Kurzschlusshandlungen nach sich ziehen.

Ich hab mal Herrn Herres (Programmdirektor der ARD) per Twitter gefragt, warum die ARD mit Gottschalk, Günther Jauch und Kai Pflaume immer nur auf Bewährtes setzen?
Eine Reaktion hab ich natürlich nicht erwartet, aber die Frage bleibt ja trotzdem. Bei den anderen Sendern sieht es ja auch nicht viel besser aus…siehe Sat1.

Vieles wirkt so lustlos und nicht wirklich als ob man verstanden hätte, wie und was die Menschen heute gern sehen wollen. Dann doch lieber auf Nummer sicher die Leute bedienen die eh aus geriatrischen Gründen keine TV-Experimente mitmachen würden.

Welchen nutzen hat es wenn das ZDF in seinen  Sparten -Kanälen fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit neue Formate und neue Köpfe vor sich hin dilettieren lässt? Wie soll sich so die Fernsehlandschaft weiterentwickeln oder zumindest im Jahre 2012 ankommen?

Klar kostet Fernsehen Geld, kein Thema. Aber bitte mehr Mut zum Neuen..oder zumindest zum Experiment!

Oder braucht es dafür auch erst n Piraten-Sender in Anlehnung an verstaubte Politik und Demokratie Konzepte?

e.