…zurückkommentiert

Welkes Spiel mit der Politikverachtung (von Hugo Müller-Vogg)
15. Mai 2012

ZDF-Politsatire „heute-show“ mit Oliver Welke

Ist des witzig, dass Brüderle nuschelt, Rösler Schritt wie „Shit“ ausspricht oder Kubicki „Punsch“ statt Putsch sagt? Die heute-show des ZDF ist als Politsatire für den Grimme-Preis nominiert. Humor mag Geschmackssache sein, doch der Spaß hört auf, wenn die Politikverdrossenheit im Land gefördert wird. Ein Kommentar

Ich gestehe: Ich hab’s getan. Ich habe heilige Schwüre gebrochen und mir die letzte Ausgabe der „heute-show“ im ZDF von der ersten bis zur letzten Sendeminute angeschaut – zum allerersten Mal.

Bisher bin ich bei Oliver Welkes Polit-Satire im ZDF nie lange hängen geblieben – mal reingschaut und schwupps wieder raus. Weil ich es nicht sonderlich aufregend finde, jeden Freitagabend vorgeführt zu bekommen, dass Rainer Brüderle schneller spricht bzw. nuschelt als mancher Journalist denkt – und dabei manche Silbe verschluckt. Kann ja mal ganz lustig sein, aber doch nicht jeden Freitag!

Jetzt also doch mal die komplette Sendung. Schließlich schwärmen so viele Freunde und Bekannte von der ach so umwerfend komischen Satireshow. Obendrein ist die Sendung für den renommierten Grimme-Preis nominiert. Und der zeichnet Fernsehsendungen aus, „die für die Programmpraxis vorbildlich und modellhaft sind.“

Nach vollen 30 Minuten „heute-show“ weiß ich jetzt wenigstens, was als „vorbildliche und modellhafte“ Polit-Satire gilt: Wenn die Politiker als Deppen der Nation hingestellt werden. Meine „heute-show“ Premiere kam – ausnahmsweise – ohne FDP-Brüderle aus. Dafür wurde Philipp Rösler dabei erwischt, dass er Schritt wie „Shit“ aussprach, und Wolfgang Kubicki, als er „Punsch“ statt Putsch sagte. Bei dieser Art hintersinnig-geistreicher Satire fällt man doch vor Lachen fast vom Stuhl, oder etwa nicht?

Die Sendung hat für ZDF-Verhältnisse gute Quoten, vor allem bei jüngeren Zuschauern. Kein Wunder: Um hier mitlachen zu können, muss man von Politik nicht viel wissen und verstehen. Ist es nicht ein grandioser Gag, dass die FDP 8,2 Prozent in Schleswig-Holstein als „Sieg“ feiert, obwohl ihr Stimmenanteil gegenüber der letzten Landtagswahl fast halbiert wurde?

Nun ja: Wer nicht mehr von Politik weiß, als das, was auf eine Smartphone-Seite passt, der fühlt sich bestens unterhalten. Wer dagegen weiß, dass die 14,9 Prozent der Kubicki-FDP 2009 am Tag der Bundestagswahl erzielt wurden und die 8,2 Prozent von 2012 das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten sind, der kann sich nicht mehr so richtig amüsieren. Selber schuld: Wer zu viel weiß, den bestraft der Welke.

Erfahren Sie mehr über den Grundtenor der Pseudo- Intellektuellen…
Humor ist bekanntlich Geschmacksache. Wer die „heute-show“ als „vorbildliches und modellhaftes“ Vergnügen betrachtet, dem sei das gegönnt. Doch ist der Grundtenor der Sendung bedenklich: Welke und seine Mitstreiter haben – anders als die meisten Kabarettisten – kein Anliegen. Sie machen nicht lächerlich, was sie verändern möchten. Sie kämpfen nicht mit den Waffen des Witzes und der Ironie für eine aus ihrer Sicht bessere, gerechtere oder sozialere Welt. Nein: Welke und den Seinen geht es allein darum, die Politikerkaste insgesamt als eine Ansammlung von Volltrotteln darzustellen.

Dieses Geschäftsmodell funktioniert prächtig, weil es die gängigen Vorurteile gegen die Politiker bestens bedient. Und weil das „Show“-Team immer wieder unbedarfte Parteitagsdelegierte oder Hinterbänkler findet, die beim Anblick eines ZDF-Mikrofons in Angstschweiß ausbrechen und sich verzweifelt bemühen, auf Witz-Fragen ernsthafte Antworten zu geben. Und die ohne Teleprompter vor sich und ohne Redaktion, die an jedem Halbsatz mit Hingabe bastelt, im Rücken halt nicht so gestylt parlieren können wie die Welkes dieser Welt. Bei solchen Amateuren brüllt dann das Studio-Publikum vor Vergnügen.

Die „heute-show“ passt so besehen „vorbildlich und modellhaft“ in eine Medienlandschaft, in der Intellektuelle wie Pseudo- Intellektuelle dem Demokratie-Modell Lorbeerkränze flechten, sich zugleich aber lustig machen über alle, die den demokratischen Prozess am Leben erhalten: Politiker jeden Ranges und Kalibers, Parteifunktionäre höchst unterschiedlicher Qualifikation, Parteimitglieder mit mehr oder weniger kommunikativer Begabung.

Okay, die „heute-show“ bringt Quote, was für die ZDF-Gewaltigen das wichtigste ist. Und ganz nebenbei fördert sie Politikverdruss und Politikerverachtung. Da kann und will ich nicht mitlachen.

Meine Gegenthese:
Lieber Herr Müller-Vogg,

sie beschreiben, dass Menschen die ein rudimentäres Politik-Verständnis oder Interesse haben, über die Heute Show Lachen können. Aha…

Ihre Argumentation erinnert mich an die TV Schelte von Herrn Reich-Ranitzki, der über die TV-Programmverödung redet, aber selbst garkein TV guckt!

Dementsprechend sind Menschen die sich jeden Tag mit Politik beschäftigen, Menschen der intellektuellen Elite, Menschen die sich selber wichtiger nehmen als die Sache, Menschen die ihre Eitelkeit in Talk-Shows dokumentieren, Menschen die den Wähler als Abstimm-Automaten einer vorgefertigten und vorkonfektionierten Informationsvermittlung betrachten die Humor Instanz, die darüber entscheiden was lustig und unterhaltsam ist? Also Menschen wie SIE?
Kann es vielleicht sein, dass sie sich hinter dem viel zitierten Deckmantel der Politik(er) Verdrossenheit verstecken um ihre eigene Abneigung gegen das, was viele der oben beschrieben Menschgruppen selber als komisch, lustig und unterhaltsam empfinden?

Lieber Herr Müller-Vogg…es kann auch mal befreiend sein, nach ner ernsten udn anstrengenden PArlamentswoche Freitagabends einfach mal zu lachen.

Worüber lachen Sie, über das Phönix Programm, über Arte Dokumentationen, oder die Kolumnen die sie selber für Ihr Haus Blatt aus dem Hause Springer zu Papier bringen ?
Vielleicht nehemen sie mal zur Kenntnis, dass selbst ein Herr Brüderle über sich selber lachen kann und sich dem von Ihnen beschriebenen Spott der Öffentlichkeit freiwillig Preis gegeben hat und vielleicht ist das ja ein Effekt, der im Gegenteil dazu beiträgt, Politiker näher an die Wähler heranzubringen

Lachen sie mal!

Ein lächelnder Gruß

http://www.cicero.de/salon/heute-show-oliver-welkes-spiel-mit-der-politikverachtung/49314?seite=1

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Seehofer Confidential

Hier mal ein ungewöhnlicher Einblick in die Medienarbeit des ZDF.

Eigentlich ist es ja üblich, wenn Claus Kleber Politiker vor der eigentlichen Ausstrahlung des Heute-Jounals interviewt und der Beitrag wird dann verkürzt in Auszügen gesendet

Aber das was nach dem offizellen Sendebeitrag gesprochen wird, bleibt ja immer geheim!

Hier nicht…

und Seehofer erlaubt es…Respekt!

Man kann ja von Hoerst Seehofer denken was man will..manche nehmen ihn nicht ernst, oder sein bayerisch populistisches Säbelrasseln, oder seine latente Meinungsflexibilität…aber das hier ist ein Medienhighlight!

Daran könnte man sich gewöhnen

e.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1641980/Seehofer-Das-koennen-Sie-alles-senden%2521#/beitrag/video/1641980/Seehofer-Das-koennen-Sie-alles-senden!

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Meinungsstark – Meinungsschwach? (von Maybrit Illner / ZDF)

Als ganz normaler Zeitgenosse oder Bürger muss man das jedenfalls nicht. Ruft ein

Umfrageinstitut an oder hält einem ein Journalist ein Mikrofon hin, dann ist es völlig o. k.,

wenn man statt mit „Ja“ oder „Nein“ wahlweise antwortet: „Weiß ich nicht“, „Ist mir egal“ oder

„Da habe ich keine Meinung zu“. Von einem Politiker egal welcher Couleur und auf welcher Ebene

will das so keiner hören. Also wurden Formulierungen erfunden, die Nichtwissen oder

Desinteresse verschwurbelt verpacken: „Das müssen wir nüchtern und ohne Zeitdruck prüfen“ oder

„Das werden wir zeitnah einer sachgerechten Lösung zuführen“.

Damit muss sich niemand zufrieden geben, und es wäre vom Befragten ehrlicher, dann einfach mal

zu sagen: „Das weiß ich nicht“.

Die Piraten sind schon mal so ehrlich. Und dafür werden sie zu Recht gelobt. Dass Journalisten

sie deshalb nach manchen Themen nicht fragen sollen, weil sie doch wüssten, dass Piraten dazu

„noch“ keine Meinung hätten, diesen Umkehrschluss halte ich allerdings für falsch.

Ob der Pirat Christopher Lauer in einer unserer Sendungen vor Ostern eine Meinung zur

Schlecker-Auffanggesellschaft hätte haben müssen, oder ob es reichte, dass er sich hinterher

für einen Artikel in der FAZ eine gebildet hat, das muss er selber wissen und das müssen die

Zuschauer und vor allem seine Wähler entscheiden. Ich finde es nicht dramatisch, wenn auch

Profis ab und zu eine „Wildcard“ ziehen.

Eines allerdings dürfen Zuschauer und Wähler erwarten: Zu Fragen, über die Politiker im

Parlament entscheiden müssen, sollten diese sich rechtzeitig eine möglichst fundierte Meinung

bilden.

Selbst auf Fragen, bei denen sie das noch nicht getan haben, können sie Sinnvolles und in

ihrem Sinne “Richtiges“ s a g e n, wenn sie eine Haltung haben. Ich meine damit nicht eine

Ideologie, oder ein geschlossenes Weltbild, in dem Themen irgendwie „zwangsgekoppelt“ sind,

aber eine auf Werten ruhende Grundhaltung, die jedenfalls mehr ist als die Summe von

unzusammenhängenden Antworten auf unzusammenhängende Fragen.

(ZDF) Maybrit Illner

Liebe Frau Illner,

ich meine zu ahnen, worauf Sie hinaus wollen, aber an dieser Stelle hätte ich mir durchaus

eine „pointiertere“ Haltung gewünscht.

Ich bin nicht per se gegen die Piraten, dennoch meine ich, dass ich mich mit zur Schau

gestellter (und möglicherweise bewusster) Ahnungslosigkeit / Meinungslosigkeit nicht zufrieden

geben möchte!

Denn zu anderen Themen haben die Piraten sehr wohl ein geschlossenes Weltbild und die Fragen

der Zeit die die Menschen bewegen, sind auch Themen die die Piraten bewegen (sollten).

Einerseits profitieren die Piraten von den demokratischen und parlamentarischen

Errungenschaften, aber sich dann der Verpflichtung deren Grundordnung zu akzeptieren finde ich

schon fragwürdig.

Und sich aus PR-Gründen öffentlichkeitswirksam in Talk Shows zu setzen und am öffentlichen

Diskurs teilzunehmen, braucht ja auch niemand.

Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht aufgrund von „Stimmenthaltung“, weil man keine rhetorischen

Fehler machen will!

Und genau dort, „darf“ der kritische Journalist dann auch ansetzen!

eddi | 14. April 2012 | 13:53 | Antworten

TV Total(Ausfall)

Nun gut, über den kriselnden Gottschalk hab ich ja hier bereits geschrieben und trotz sog. „Relaunch“ mit Studiopublikum und neuer Studeioeinrichtung, die ein bischen nach Markus Lanz, oder Heute-Show..für manche sogar nach Tchibo aussieht, scheint der Weg Gottschalks aus der „Vorabend-Todeszone“ nach wie vor wie ein Irrgarten zu sein.

Immer mehr muss man annehmen dass der ARD letztlich keine Wahl bleibt, das TV Monument Gottschalk vom Sockel zu holen. Man hört, dass sich die ARD Sorgen um die Tagesschau-Quote macht….

Bei aller berechtigten Kritik an Gottschalk, die ich mehrheitlich teile, muss ich mich aber dennoch fragen, wo der Kern des Problems liegt:

Klar, Gottschalk Live und sein Sende Konzept ist im Vorfeld maßlos überhöht worden und wirkte mehr gewollt als durchdacht und zudem mit einem Moderator besetzt worden, dem im Vorfeld eigentlich niemand weder Talk-Show, noch „Social Media“ Kompetenz attetstiert hätte. Und um ehrlich zu sein, den Gegenbeweis ist Gottschalk bis heute mehr als schuldig geblieben!

Gut, andere Sender haben ähnliche Schnellschüsse mit bewährten Köpfen und bewährten Konzepten versucht und haben auch relativ schnell und teilweise panisch überhastet den Stecker gezogen.

Oliver Pochers quälende, selbstverliebte Comedyversuche: gut das kann man verstehen; Johannes B. Kerners haltungsarme Schmeichel-Talk Belanglosigkeiten für Bild-Zeitungsleser wollte auch niemand mehr sehen.

Dass Stefan Raab mit seiner teilweise erbärmlich humorlosen TV-Total Soße immer noch auf Sendung ist, liegt meines Erachtens auch mehr darin begründet, dass es kein adäquates Ersatzformat gibt und Raab es sich leisten kann sein abendliches Format als Promotion Vehikel für seine großen Event-Shows durchzuschleusen.

Und nun also Harald Schmidt! Das Aus nach nicht mal einem Jahr…Und warum? Die Quote! Immer wieder dieses Quoten Monster, vor dem jeder Fernsehmacher in seinem Elfenbeinturm vor Angst in die Knie geht.

Liegt das tatsächlich alles nur an den Köpfen, die keiner mehr sehen will? Oder macht man es sich vielleicht zu einfach, indem man wie im Fußball für teures Geld Stars einkauft und hofft dass dadurch Erfolg planbar sei? Wenn dem so ist, dann haben die aktuellen Entwicklungen dieses Prinzip ad absurdum geführt und als grandiose Fehleinschätzung offenbart!

Oder ist es ähnlich wie im Musik Business wo die großen Plattenfirmen die Entwicklungen im Internet Zeitalter erst verschlafen, unterschätzt und dann in panikartiger Weise dem illegalen Musiktausch im Netz per Klageflut Herr werden wollten? Und alles nur weil man meinte ein goldenes Kalb noch nicht zuende gemolken zu haben oder vom eigenen kreativen (Musik-Vermarktungs-) Totalausfall abzulenken?

Es scheint doch immer deutlicher eine Tendenz dahin zu gehen, dass sich die mediale Welt immer mehr ins Internet verlagert. Sei es Musik, sei es Printmedien…aber eben auch das Fernsehen, bzw. die Angebote immer mehr virtuell konsumiert werden. Die klassischen Offline Medien werden zunehmend weniger nachgefragt. Darin liegt vielleicht auch ein Grund für schlechte Quoten und gebe es das Internet nicht würden diese Quotendebatten nicht so drastische Kurzschlusshandlungen nach sich ziehen.

Ich hab mal Herrn Herres (Programmdirektor der ARD) per Twitter gefragt, warum die ARD mit Gottschalk, Günther Jauch und Kai Pflaume immer nur auf Bewährtes setzen?
Eine Reaktion hab ich natürlich nicht erwartet, aber die Frage bleibt ja trotzdem. Bei den anderen Sendern sieht es ja auch nicht viel besser aus…siehe Sat1.

Vieles wirkt so lustlos und nicht wirklich als ob man verstanden hätte, wie und was die Menschen heute gern sehen wollen. Dann doch lieber auf Nummer sicher die Leute bedienen die eh aus geriatrischen Gründen keine TV-Experimente mitmachen würden.

Welchen nutzen hat es wenn das ZDF in seinen  Sparten -Kanälen fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit neue Formate und neue Köpfe vor sich hin dilettieren lässt? Wie soll sich so die Fernsehlandschaft weiterentwickeln oder zumindest im Jahre 2012 ankommen?

Klar kostet Fernsehen Geld, kein Thema. Aber bitte mehr Mut zum Neuen..oder zumindest zum Experiment!

Oder braucht es dafür auch erst n Piraten-Sender in Anlehnung an verstaubte Politik und Demokratie Konzepte?

e.

Zitat des Tages

Die Öffentlich-Rechtlichen machen sich in jede Hose, die man ihnen hinhält, und die Privaten senden das, was darin ist.

 

Dieter Hildebrandt/x/details.png

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Wulff zum Letzten – eine Bildbetrachtung (von wolfgang Herles/ZDF)

Dieses Gesicht! Da ist er noch einmal: der Mann ohne Eigenschaften. Langweilig, hölzern, bieder, aber auch undurchsichtig. Das Haar so brav gescheitelt wie eh und je. Die Staatsmannmaske. Der Schwiegersohn. Der Angestellte. Der glatte Emporkömmling. Einer, der sich hinter sich selbst versteckt. Und doch ist es anders, dieses Gesicht im Fackelschein des Großen Zapfenstreichs.

Der ist eine Ehre. Doch zum ersten Mal wird diese Ehre weithin als Schande empfunden. Da steht einer am Pranger. Stellte sich selbst an den Pranger. Blasmusik. Jeder Ton klingt nach Hohn.

Haben die vergangenen Wochen Spuren auf diesem Gesicht hinterlassen? Gerade weil es aussieht, als seien die Züge wie erstarrt, lässt sich die ungeheuere Mühe erkennen, ungebrochen, ungebeugt  wirken zu wollen. Da pocht einer drauf, so behandelt zu werden, wie es ihm zusteht. Mit Respekt. Mit Würde. Da demonstriert einer sehr selbstgerecht seinen Anspruch auf Gerechtigkeit.

Kämpft Wulff mit den Tränen? Nahm er ein Beruhigungsmittel? Versteinert ihn die tiefe Überzeugung, ungerecht behandelt zu werden? Dieses Gesicht schämt sich nicht. Gealtert sieht es aus, doch nicht gereift. Die Falten von den Nasenflügel zu den Mundwinkeln scheinen tiefer geworden zu sein. Die Augen schmaler. Verschlossen. Trotzig. Wo wohl seine Gedanken sind? Irgendwo in der blendend versorgten Zukunft vielleicht.

So ein Gesicht ist nicht auf Mitleid aus. Mitleid hat Wulff auch nicht verdient. Wer aber wissen will, was dieses öffentliche Geschäft mit einem Menschen anstellen kann, der letztlich an seiner Dummheit scheitert, nicht an seinen Untaten, der schaue es sich noch einmal ganz genau an.

(ZDF) Dr. Wolfgang Herles

Sehr gelungener Artikel!

Vor allem:

[…]der letztlich an seiner Dummheit scheitert, nicht an seinen Untaten[…]

Damit ist alles gesagt, hoffe ich!

eddi | 10. März 2012 | 16:32 | Antworten

via http://blog.zdf.de/zdfdasblog/2012/03/09/wulff-zum-letzten-eine-bildbetrachtung/#comment-40280

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Wider das Bauchgefühl! (von Winnie Heescher/ZDF)

Fühlen Sie sich in dem Eindruck bestätigt, Politik sei ein schmutziges Geschäft? Politiker generell faul und feige, korrupt und verschwenderisch? Ein Blick zurück in die vergangene Woche …

Am Montag daddelt Wolfgang Schäuble im Bundestag Sudoku. Während darüber debattiert wird, wie viele Milliarden unserer Steuergelder den Griechen noch versprochen werden! Ausgerechnet der Finanzminister! Am Mittwoch entscheiden Wulffs alte Buddies im Bundespräsidialamt, dass ihm Ruhegeld zusteht. Jedes Jahr 199.000 Euro lebenslang für einen Schnäppchenjäger. Und am Freitag stimmen die Abgeordneten des Haushaltsausschusses dem zu. Ehrensold gebilligt von Koalition und Opposition!

Da stimmt doch etwas nicht im Staate Deutschland!

Stimmt! Unser Verhältnis zur Politik, zum Rechtsstaat, unser Verhältnis zur Demokratie stimmt nicht mehr. Sie denken, Kleiner geht’s wohl nicht? Nein, Kleiner geht es nicht. „Zocker, Schande, schämt Euch, verkommene Politiker, Schäuble rollen sie sofort zurück, korrupte Blutsauger“ – das sind noch nicht einmal die boshaftesten Kommentare aus Leserbriefen, Blogs und Umfragen, die auf Wolfgang Schäubles Sudoku-Spiel und die Ehrensold-Entscheidung reagieren. Zwei völlig unterschiedliche Ereignisse und doch antworten viele mit nichts anderem als ihrem grimmigen Bauchgefühl – ein Bauchgefühl gegen die da in Berlin, die da oben. Ist doch ein Politiker wie der andere!

Was spricht dagegen, dass Wolfgang Schäuble im Bundestag Sudoku spielt? Der Respekt, die Höflichkeit dem Kollegen gegenüber, der gerade eine Rede hält? Rainer Brüderle wird es ihm verzeihen. Wolfgang Schäuble ist neben Angela Merkel derjenige im Kabinett, der die vergangenen Wochen am wenigsten geschlafen haben dürfte. Unzählige Nachtsitzungen für Rettungsschirme, unzählige Flüge nach Brüssel – man sieht es beiden an, man hört es auch heraus, wenn sie sich bei Auftritten verhaspeln, weil die Konzentrationsfähigkeit die Worte durcheinanderwirbelt. Angela Merkel macht dann häufig im Plenum einen Ablenkungsspaziergang, spricht mit dem ein oder anderen Kollegen, um nicht öffentlich auf der Regierungsbank gegen die Müdigkeit anzukämpfen. Wolfgang Schäuble spielt Sudoku. Na und? Wie oft gehen Sie bei der Arbeit hinaus, um eine Zigarette vor der Tür zu rauchen? Wie oft surfen Sie zwischendurch privat in ihrem Büro? Wie oft holen Sie sich noch einen Kaffee?

Bei Christian Wulff ist die Sache schwieriger, da meldet sich auch mein Bauchgefühl und fragt, warum er einen Ehrensold bekommen soll, warum er auch noch mit einem Zapfenstreich verabschiedet wird. Auch wenn für Christian Wulff nicht mehr viel sprechen mag, ein Argument spricht für ihn. Und das dürfen wir nicht ignorieren, nur weil unsere eigene Moral dagegen Sturm läuft: Das ist das Gesetz. Das Gesetz über die Versorgung eines Bundespräsidenten a.D. muss dringend geändert werden, aber in unserem Staat gilt glücklicherweise das Rückwirkungsverbot. Man kann Gesetze nicht einfach nach Laune rückwirkend ändern, dadurch ist jeder geschützt, der etwas tut, was er besser gelassen hätte. Und so schwer das zu akzeptieren ist: Auch der Ehrensold kann Christian Wulff nicht mehr rückwirkend genommen werden. Deshalb hat dies auch der Haushaltsausschuss billigend zur Kenntnis nehmen müssen. Dass sich die Politik jetzt sofort, dringend und endlich an eine Reform der eigenen Altersversorgung machen müsste, ist eine andere Frage.

Glauben Sie immer noch, Politik sei ein schmutziges Geschäft? Für mich ist Politik nicht schmutziger als das Leben selbst. Der Ehrensold für Christian Wulff ist auch ein Preis, den wir für den Beweis unseres Rechtsstaates zahlen. Ein Sudoku spielender Finanzminister ist ein Beweis, dass Politiker Menschen sind wie Du und ich. Auch dieses Recht sollten wir ihnen lassen! Wer wollte diesen Job sonst überhaupt noch machen?

(ZDF) Winnie Heescher

@Frau Heescher,
ich geb Ihnen völlig recht, dass die Aufregung um ein Sudoku unsinnig ist, zumal viele Abgeordneten eine Aufmerksamkeitsspanne haben, die bei best. Themen und Beiträgen gern mal rapide absinkt…man denkt ja auch oft, dass da gesimst, getwittert oder per IPad “der Amazon Wunschzettel vergrößert wird”. Völlig ok!

Was mir übel aufstößt ist die Tatsache, dass es auch in der Politik einen absurden Schutzreflex gibt, wenn “einer der ihren” attackiert wird. Egal ob der Menschenverstand die Rechtmäßigkeit der Attacke erkennt, es wird zusammengehalten bis zum “Geht-nicht-mehr”.

Für mich ist das völlig ok, wenn ein Herr Guttenberg irgendwann wieder in die Politik kommt, und von mir aus soll ein Herr Wulff seinen Sold bekommen, wenn das geltende Recht das so vorsieht.

Aber dass Frau Merkel/Koalition beide genannten offensiv gestützt/verteidigt haben ist eine Un-Art in der Politik, die ich fragwürwürdig finde, wo ich manchmal denke Politiker sind eben nicht “wie du und ich”!

eddi | 4. März 2012 | 20:25 | Antworten

viahttp://blog.zdf.de/zdfdasblog/2012/03/03/wider-das-bauchgefuehl/

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Die Ohnmacht der Angela M. (von Thomas Walde/ZDF)

Präsidentenkür und verfehlte Kanzlermehrheit markieren eine Wende für die schwarz-gelbe Koalition. Die Ereignisse der vergangenen Tage haben einen alten Schnack bestätigt: Eine Woche ist in der Politik eine lange Zeit. Angela Merkel, eben noch auf der Höhe der Macht und der Umfragewerte, meinte den Griechen strengere Sparauflagen verordnen und den Franzosen erzählen zu können, wen sie bitteschön zum Präsidenten zu wählen haben.

Die SPD-Führung verkündete, direkt Angriffe gegen Merkel erst einmal einzustellen. Dann musste der von Merkel einst durchgesetzte Bundespräsident Christian Wulff zurücktreten. Dann nutzte der kleine Koalitionspartner FDP den Nachfolgekandidat Joachim Gauck, um Merkel vorzuführen und sich gegen sie zu profilieren. Seit Tagen feiert der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler seinen kleinen Coup, was der Unionsführung schwer auf die Nerven geht.

Kurz vor der Abstimmung zum Griechenland-Rettungspaket war es dann der andere Koalitionspartner, der Merkel düpierte. Innenminister Friedrich von der CSU machte deutlich, dass trotz aller Hilfspakete die Zukunft der Griechen besser außerhalb der Eurozone liege. Und mehrere Christsoziale pflichteten ihm bei – auch das ein direkter Widerspruch zu allem, was Merkel bisher offiziell vertreten hat. Schon da wurde deutlich, dass die Zentrifugalkräfte in der Koalition immer größer werden. Und dann die (vorläufige) Krönung: Merkels Kanzlerinmehrheit steht nicht bei der so wichtigen Abstimmung über die Griechenlandhilfe. Die eigenen Reihen versagen die überzeugende Gefolgschaft  in dieser zentralen politischen Frage der Kanzlerschaft Merkels.

In der Politik gilt: nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg. So lange man Zweiflern in den eigenen Reihen deutlich machen kann, dass man sich bei Wahlen, Abstimmungen und in Umfragen durchsetzt, so lange wird partei- oder koalitionsinterner Widerstand nicht offen ausgetragen. Jetzt setzt für Bundeskanzlerin Merkel die Kehrseite ein: Wenn Koalitionspartner erst einmal merken, dass man sich ungestraft gegen die Chefin profilieren kann, dann führt das zu Abstimmungsschlappen, und die führen zu lauter werdender Kritik. Misserfolge bringen neue Schwäche. Und die provoziert neue Misserfolge.

Im vergangenen Jahr hat die schwarz-gelbe Koalition auf Landesebene zahlreiche Wahlniederlagen erlebt. Die Führungsstärke von Angela Merkel hat Widerstände in den eigenen Reihen auf Bundesebene erstickt. Jetzt reicht die Führungskraft nicht mehr aus, um Zweifel an den immer neuen Hilfen für Griechenland zu ersticken.

Der Soziologe Max Weber hat Macht einmal als die Möglichkeit definiert, eigene Interessen gegen Widerstände durchzusetzen. In den vergangenen Wochen hat Bundeskanzlerin Merkel mehrfach die Grenzen ihrer Macht erkennen müssen. Den Widerstand in den eigenen Reihen hinnehmen müssen. Innerkoalitionäre Kritiker werden sich ermuntert fühlen. Eine Woche kann in der Politik eine lange Zeit sein.

(ZDF) Thomas Walde

Wenn man bedenkt, wie wenig Parlamentarier im Detail über das Ganze (700 Seiten!!!) informiert sind finde ich es vertretbar, dass man bei Unbehagen sich der Stimme enthält, oder eben sagt, dem kann ich nach meinem Erkenntnisstand NICHT zustimmen!

Überraschend ist halt nur, dass das so auch umgesetzt wird…letztlich hat sich Frau Merkel ja sicher auch mit Altmeier, Kauder und Gröhe n Abwehrbollwerk aus nibelungentreuen Parteisoldaten installiert, was jede Kritik oft schon im Kern erdrückt hat…so funktioniert das sicher…und so sichert man (Haus-) Macht!

Was mich vielmehr stört, ist dass die Opposition so zahm ist. Hier böten sich doch jederzeit Möglichkeiten Frau Merkel wirklich Probleme zu bereiten.

Muss man als Koalition nicht dagegen sein, wenn man andererseits die Kanzlerin so hart attackiert?

So gerät das Grollen letzlich nur dazu, dass man als Wähler keine Meinungsalternative hat und im Zweilel, dann eben das Original wählt und nicht die opppositionelle Kopie!
Eddi | 28. Februar 2012 | 11:47 | Antworten

Nachtrag:

es muss natürlich heißen:

Muss man als OPPOSITION!!! nicht dagegen sein, wenn man andererseits die Kanzlerin so hart attackiert?
Eddi | 28. Februar 2012 | 11:54 | Antworten

vishttp://blog.zdf.de/zdfdasblog/2012/02/28/die-ohnmacht-der-angela-m/

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Ehrensold – eine kleingeistige Debatte (von Michael Bewerunge / ZDF)

Zugegeben: 200.000 Euro sind viel Geld. Trotzdem: Typisch deutsch, diese kleinliche Debatte um den Ehrensold. Der falsche Zungenschlag ist mit diesem merkwürdigen Namen in die Debatte gekommen: Ehrensold.

Natürlich hat Christian Wulff, Bundespräsident außer Dienst, dem Amt keine Ehre gemacht und sich selbst schon gar nicht. Der Autor dieser Zeilen hat darüber selbst oft genug kritisch berichtet. Dennoch ist der Begriff Ehrensold eigentlich in dieser Überhöhung falsch: Es geht schlicht um ein Altersruhegeld und zwar gerade für den Fall, dass der Träger des ersten Amtes im Staate aus politischen Gründen zurücktreten muss – oder soll.

Dass Wulff nach einer langen Liste zumindest sehr dubioser Verhaltensweisen zurückgetreten ist – gerade das stellt doch einen Akt politischer Hygiene dar, der für eine Demokratie unverzichtbar ist. Man stelle sich vor, Wulff hätte sich aus Angst vor dem Absturz in die Mittellosigkeit weiter an sein Amt geklammert: Kaum auszuhalten.

Ob er nun aus politischen Gründen oder durch den Druck der Staatsanwaltschaft zurückgetreten ist, bleibt dabei unerheblich. Rechtlich sind die Vorwürfe noch nicht bewiesen, aber selbst wenn: Man muss Wulff fast dankbar sein, dass er es dem Staat und uns erspart hat, auf einen Prozess im Amt zu warten.

Ebenso unangenehm die Vorstellung, der Bundespräsident außer Dienst müsse sich mit allen möglichen Jobs seine Brötchen verdienen. Vielleicht als Rechtsanwalt oder Berater eines großen Finanzdienstleisters, dem er ohnehin schon früher eng verbunden war? Nein danke! Dann würden Amt und Staat ja noch stärker beschädigt.

Nun hat Wulff selbst noch zu Amtszeiten eine Debatte über die Höhe des Ehrensolds (200.000 € + Sekretärin + Fahrer + Bodyguards) angestoßen. Darüber muss geredet werden – aber nicht jetzt. Dieser grundsätzlichen Frage kann man nicht im Zorn des Augenblicks gerecht werden.

Und noch etwas: Wenn Wulff in drei Jahren vielleicht nur wegen schlechter Amtsführung nicht wiedergewählt worden wäre, dann betrüge die Auszahlung seines Ruhegeldes immer noch die gleiche Summe auf Lebenszeit – nur für drei Jahre muss nun doppelt gezahlt werden, zusätzlich an seinen Nachfolger Joachim Gauck.

Ich bin dankbar, dass dieser Wechsel zu vergleichsweise niedrigen finanziellen Kosten möglich war – die politischen sind viel höher.

(ZDF) Michael Bewerunge

Lieber Herr Bewerunge:

Mich stört es etwas dass das Bundespräsidialamt für die Prüfung zuständig ist. Dort wo ja Wulff seinen Stab teilweise slber zusammengestellt hat, frage ich mich ob Befangenheit bei der Beurteilung ausgeschlossen werden kann.

“Anspruch auf eine Altersversorgung hat, wer vier Jahre Amtszeit als Bundesminister durchgehalten hat.”

Wenn ihm das Ruhegeld nach 1,5 Amtsjahren (!!!!) zusteht, soll er es bekommen. Gesetze können nicht rückwirkend angewandt werden!

Aber:
Wenn man sich die Relation zu den Pensionsansprüchen von Bundesministern ansieht, die tatsächlich die gesamte Legislaturperiode an der politischen “Front” sein müssen und denen man weniger Respekt entgegenbringt, finde ich die die gesamte Diskussion alles andere als “kleingeistig”

…sondern sehr Notwendig!
Eddi | 29. Februar 2012 | 18:17 |

viahttp://blog.zdf.de/zdfdasblog/2012/02/29/ehrensold-eine-kleingeistige-debatte/