„Friss oder stirb“

Ein guter Zustandsbericht aus der Süddeutschen Zeitung von heute, der zeigt in welches vermeintliche Dilemma sich die Linke wiederum hineinzumanövrieren droht, nachdem sie glaubten, dass mit dem Verzicht von Oskar Lafontaine auf den Parteivorsitz nun Ruhe einkehre und geordnete Verhältnisse geschaffen werden können.

Die Kritik an Lafontaine bezog sich ja auf das autokratische und erpresserische Verhalten, ihn doch bitte den Vorsitz quasi per Inthronisation durch das gemeine Parteivolk anzutragen und von Kritik oder gar Gegenkandidaten abzusehen.

Mit diesem Versuch ist Oskar Lafontaine erwiesenermaßen gescheitert! Denn es war für alle abseh- und durchschaubar, dass sein persönlicher Erzfeind Dietmar Bartsch, der bereits vor Monaten seine Ambition auf die Führung der Partei offen als Angebot proklamiert hatte, verhindert werden sollte. Und damit einen offenen Konflikt zwischen den zerstrittenen Flügeln mehr befördert als geschlichtet hat.

Nun haben sich Katharina Schwabedisssen und Katja Kipping zusammengetan und wollen als Frauenduo die Spitze der Partei übernehmen, um auf diese Weise wieder Frieden, jenseits der Flügel herzustellen. Beide gehören eher zu den weniger bekannten und moderaten Personen im undurchsichtigen Dickicht von Strömungen innerhalb der Linken.

Nichts desto Trotz hat nun Katharina Schwabedissen eine Splittung des angedachten Duos verneint und somit auch eine denkbare Konsenslösung zusammen mit Dietmar Bartsch ausgeschlossen! Demzufolge ist es ihr Ziel dass beide Frauen nur gemeinsam an die Spitze wollen.

Und da stellt sich die Frage, ob es dort nicht wieder zu Konflikten kommen kann, denn auch dieses Beharren auf eine verengte Personenentscheidung lässt wenig Spielraum und führt die Parteibasis an eine „Friss oder Stirb“ Entscheidung.

Und war es nicht genau das, warum sie sich bei dem Gebaren von Lafontaine erdrückt und bevormundet fühlten ?

Und haben wir wirklich das Ende der großen Parteikarriere von Oskar Lafontaine erlebt? Hatte er doch medienwirksam verlautbart, dass eine Kampfabstimmung mit Dietmar Bartsch nicht der krönende Abschluss seiner Karriere sein sollte. Wie ist dementsprechend der Rückzug in den Schmollwinkel zu deuten?

Bereitet er die nächste Offensive vor? Lässt er sein politisches Vermächtnis nun in Form seiner Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht, bei der ebenfalls Ambitionen auf ein Führungsamt im Raum stehen, verbreiten?  Oder tingelt er nur noch medienwirksam durch Talkshows und nimmt nur noch lukrative Auftritte an?

Quo Vadis Oskar, quo vadis Die Linke?

e.

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3 Gedanken zu “„Friss oder stirb“

  1. Die Linke täte gut daran, die Führungsschwäche zu beheben und sich thematisch neu aufzugstellen. Im Westen hat sie Jahre lang von den Protestwählern wegen der Agenda 2010 profitiert und spielt da zur Zeit eine untergeordnete Rolle. Denn diese Wähler wählen statt links jetzt Piraten oder hoffen, dass die SPD mit eine wieder erstarkten linken Flügel aufwarten kann.

    Im Osten Deutschlands wird Die Linke anders wahrgenomen und erfreut sich imer noch der Anhängerschaft, die in einer gewissen Nostalgie schweben.

    Und das genau weiß Lafontaine und kann sich genüsslich zurücklehnen. Denn ob mit dem Frauenduo oder Herrn Bartsch wird es Die Linke wohl kaum schaffen, im Westen wieder mehr Wähler abzufischen. Daher wird Lafo warten, bis man wieder auf ihn zukommt und ihn bittet, die Parteiführung zu übernehmen. Aber das kann noch dauern. Und ein Sprachrohr in Form von Frau Wagenknecht hat er ja auch noch. Es sei denn, diese private Beziehung scheitert irgendwann mal.

    Herzliche Grüsse vom Polarfuchs

    • Ja, so in diese Richtung denke ich auch, denn programmatisch wird sicher ein Kurs eingeschlagen werden müssen, der sich der SPD annähert und nicht mehr so radikal sein wird. Verstaatlichung von Banken und Großkornzernen geht eindeutig an einer westdeutschen Lebens- und Gesellschaftswirklichkeit vorbei. Und das soziale Thema wird ja ohnehin schon wieder mehr bei der SPD verortet. Es wird ein Überlebenskampf für die Linke!

      • Das sehe ich auch so, Zu lange hat man sich darauf ausgeruht und verlassen, das die Wähler des linken SPD-Spektrums einen unterstützen. Aber die Parteienlandschaft bzw. die Programme der einzelnen Parteien überschneiden sich immer häufiger. Jetzt ist muss das Profil geschärft werden, wenn man denn bundesweit weiterhin aktiv bleiben möchte.

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